Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Möglichkeiten der Privatwirtschaft
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 407 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379892-2379898-2394209--12751-2394380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
aufweisen. Vorauszuschicken ist, daß die Existenzmöglichkeit des Einwanderers mindestens so sehr, wie von seiner eigenen Tüchtigkeit von der Fähigkeit seiner Frau, sich an- und einzugewöhnen, abhängt. Einen veränderten Haushalt zu führen ist oft viel schwerer als einen veränderten Beruf auszuüben. Ob die Frau sich anpaßt, ob sie imstande ist eine verständnisvolle und tatkräftig mithelfende Gefährtin zu sein, das ist entscheidend für das Schicksal des Neuankömmlings. Im allgemeinen ist zu sagen, daß geschmackliche Sicherheit und vor allem organisatorische Fähigkeit heute mehr Aussichten im Lande haben als früher. Nehmen wir ein Beispiel: Noch vor wenigen Jahren war das Hotelwesen des Landes, wenn auch nicht schlecht, so doch modernen Ansprüchen nur ausnahmsweise genügend. Die Errichtung des Luxushotels „König David" ist nur der hervorstechendste Ausdruck einer Entwicklung nach dem guten Hotel, die durch das ganze Land festzustellen ist. Nicht nur der Touirist stellt heute größere Ansprüche, auch der Einheimische ist nicht mehr mit einem Hotel zufrieden, das im wesentlichen ein Haus mit vielen Zimmern war, in dem möglichst viele Betten aufgestellt wurden. So kommt es, daß bereits mehrere durchaus gute — man kann fast sagen erstklassige — neue Hotels errichtet wurden, die sich ganz gut rentieren. Hier bestehen noch gute, Möglichkeiten für Kapitalsanlagen, insbesondere auch für solche Kapitalisten, die entweder im Hotelbetrieb geschult sind oder die den Vorzug haben, eine tüchtige wirtschaftlich begabte und organisatorisch befähigte Frau zu haben, die es versteht, die Leitung eines großen Haushaltes und die Schaffung des von den Gästen heute aucli in Palästina allgemein erwarteten Komforts mit der Rücksicht aui' die Rentabilität des Unternehmens zu verbinden. Auch für einen anderen ähnlichen Unternehmungszweig wird es in erster Linie auf die Frau ankommen, die seine interne Leitung zu übernehmen hat; ich denke an Sanjatorien. Das Land braucht mindestens ein allgemeines und auch das eine oder andere Spezialsanatorium, ihr Erfolg wird viel weniger von der ärztlichen Leitung abhängen — gute Aerzte haben wir genügend im Lande und wenn der eine ärztliche Sanatoriumsleiter versagt, wird es nicht schwer fallen, einen besseren zu finden — als von der haus wirtschaftlichen Leitung, die es versteht, das Haus dem Patienten zu einem angenehmen Aufenthalt zu machen. Hier ist eine Chance für tüchtige Kapitalistinnen — und es ist ja wirklich kein Grund, uns ausschließlich mit den Möglichkeiten für die Herren der Schöpfung und des Kapitalismus zu beschäftigen. Ich sprach schon von dem Einfluß der Wandlung des Geschmacks und der Anpassung an europäische Bedürfnisse auf die mit der Mode zusammenhängenden Geschäfte. Auf diesem Gebiet bestehen auch verschiedene Möglichkeiten für wirklich tüchtige Detaillisten. Erstklassig geführte Geschäfte für Damenkonfektion, Damenwäsche und alle Feinheiten und Kleinigkeiten der Damenbekleidung, ebenso wie für moderne Herrenkleidung können wahrscheinlich noch Existenz im Lande finden, wenn sie imstande sind, den besten Geschmack zum billigsten Preise zu zeigen, so wie das in Europa schon selbstverständlich geworden ist. Es gibt in wachsendem Maße eine Kundschaft für den „letzten Schrei". Die jüdische wie die englische und immer mehr die arabische Käuferin der guten Kreise ist durchaus bestrebt, mit der Mode im Einklang zu bleiben und mehr und mejir von der Ausschuß- und Stapelware abzukommen, die bisher im Lande meist gehandelt wurde und die nicht billiger ist als die moderne