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Palästina · 1931-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1931) · p. Seite 404

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1931)
Article
Möglichkeiten der Privatwirtschaft
Date
1931-10-01
Page
Seite 404 (sequence 3)
Language
German
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ist stach einer der Gründe^ warum Palästina von der Weltwirtschaftskrise sehr wenig betroffen wurde. Die privaitwirtschaftliehen Unternehmungen sind alle verhältnismäßig kleinj der Begriff Konzern ist im Lande noch unbekannt, Verschachtelungen und Fusionierungen sind noch nicht vorgekommen und der Einzelbetrieb bietet daher der Krisis eine verhältnismäßig schmale Angriffsfläche. Dies übrigens im Gegensatz zu den Unternehmungen der öffentlichen Hand, und dies ist einer der Gründe, warum es der zionistischen Wirtschaft verhältnismäßig schlecht geht, während man das gleiche von der Privatwirtschaft durchaus nicht sagen kann. Inzwischen aber entwickelt sich Palästina genau so wie der ganze mittlere Orient enorm schnell aws dem präkapitalistischen Stadium in das des letzten Schreies des modernen Kapitalismus. Es entstehen nicht nur ganz neue Warenbedürfnisse. Der Konsum verlangt auch die Technik und die Behandlung, von denen er aus den Zeitungen 1 liest oder aus seinen zahlreichen Europareiseoi weiß, daß sie drüben Mode sind. Der Film hat sehr viel zu dieser Entwicklung beigetragen, ebenso die illustrierte Zeitung. Ein modernes Haus ist nicht mehr eine „Meschuggas", wie noch vor drei und vier Jahren, sondern wird verlangt. Schaufenster, die bisher nur als Teile des Magazins oder Lichtzubringer betrachtet wurden, werden in ihrer Rolle als Reklamemittel und Blickfang entdeckt. Die Frauen vor allen Dingen sind Schrittmaoher auf diesem Gebiet. Sie tragen modische Kleidung und beziehen sie aus dem Ausland, wenn der einheimische Detaillist sie nicht führt. Geschmack wird verlangt und Abwechslung. Es ist Raum und Bedarf für kaufmännische Organisation und Kundendienst, und während bis jetzt die moderne kaufmännische Schulung des Westeuropäers mehr eine Belastung als ein Vorteil war, wird sie allmählich ein Erfordernis. Palästina und darüber hinaus der Orient europäisiert sich ungemein schnell und ist reif oder wird reif für den westjüdischen Unternehmer und gibt damit zugleich beachtliche Möglichkeiten der Kapitalsanlage. Der reinen Kapitalsanlage, die also nicht mit der aktiven Betätigung des Besitzers verbunden ist, ergeben sich heute in Palästina mannigfache Möglichkeiten. Vor allem und in erster Linie in der Orangenindustrie. Man ist zwar hierzulande immer wieder geneigt, unsere Angaben über die besonders hohe Rentabilität der palästinensischen Orangenpflanzung als einigermaßen übertrieben zu betrachten. Aber allem Anschein nach wird sogar das laufende Jahr, dem wir angesichts des Wirtschaftszustandes Europas und angesichts der Tatsache, daß die Verkaufsorganisation der palästinensischen Orangenindustrie doch fast ausschließlich auf eben dieses Europa eingestellt ist, eine ungünstige» Prognose stellen zu müssen glaubten, recht befriedigende Ergebnisse bringen. Wenn wir überhaupt an die Möglichkeit einer Heilung der Weltwirtschaftsverhältnisse glauben, so haben wir auch keinen Grund daran zu zweifeln, daß die palästinensische Orangenindustrie sich auch in Zukunft mit nicht weniger als 12 bis 15 Prozent netto verzinsen wird, d. h. vom neunten Jahre ab. Die Anlage eines großen Orangengartens kostet pro Dunam von 1000 Quadratmeter zirka 80 bis 85 Pfund. Dajfür erhält man nach fünf Jahren einen vollkommen fertigen Garten mit Bewässerungsanlage, dessen Ernte im sechsten Jahre etwa die Kosten der Bewirtschaftung deckt und vom siebenten Jahre an einen Reinertrag liefert, der von 5 Pfund im siebenten sich bis zu 14 bis 15 Pfund wenigstens im neunten oder zehnten Jahre steigert und dann könstant bleibt. Die sehr aussichtsreiche Zucht der palästinensischen Grape-Fruit ver-

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