Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Die Aussichten der Erbauung der Bahn Haifa-Bagdad
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 385 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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Der Zusammenhang zwischen Bagdadbaihn und Oelleitung entbehrt somit einer inneren Begründung und beruht auf einer rein künstlichen Konstruktion. Diese» wird nur im Zusammenhang mit dem gesamten Komplex der mesopotamischen Oelfrage verständlich, die hier nur flüchtig berührt werjden kann*. Das Hauptinteresse konzentriert sich jedoch auf das nördliche Babagurgur-Feld, das mach den bisherigen Feststellungen besonders ergiebig ist. Die Konzession auf die Ausnutzung des wichtigsten Petroleumgebiets, des Babagurgur-Feldes bei Kirkuk, liegt in den Händen der „Iraq-Petroleum-Co..", deren Majorität durch die drei mächtigsten Oelkonzerne, die Royal Duteh-Shell,Anglo Persian und Standard Oil Co. gebildet wird. Mit Rücksicht auf die bestehende Ueberproduktion und den dadurch verursachten Preisdruck sind diese Partner übereingekommen, ihre mesopotamische Konzession vorläufig nicht auszunutzen. Im Gegensatz hierzu steht die aktivere Tendenz der französischen Minotritätsgruppe, die ihrem Land, um seine Versorgung unabhängiger zu machen, eigene Petroleumquellen sichern will. Das Gleiche gilt auch für die Irakische Regierung, die Konzessionserteilerin, die ihren schlechten Finanzverhältnissen; aus der ihr von der Oelgewinnung vertraglich zustehenden Abgaben aufhelfen will. Da jedoch die Majorität der „Iraq Petroleum Co." die Erschließung der Oelfelder hinausschieben möchte und darum eine Aenderung des Konzessionsvertrages anstrebt, so will die Irakische Regierung für ihr Entgegenkommen Gegenleistungen herausschlagen. Zu diesen gehört als wesentlichste der Bau einer die Petoleumleitung nach Haifa begleitenden Eisenbahn, für deren Notwendigkeit sich die Regierung der oben erwähnten Motivierung bedient. Sie verspricht sich von der Schaffung einer solchen Eisenbahnverbindung mit dem Mittelmeer große politische und wirtschaftliche Vorteile, die sie auf Kosten der Privatgesellschaft erlangen möchte. Hier ist also zweifellos die treibende Kraft zu der jetzigen Wieder auf erstehung des Bagdadbahn-Gedankens zu suchen. Begreiflicherweise ist die „Iraq Petroleum Co." durchaus nicht geneigt, auf diese übertriebenen Wünsche der Regierung einzugehen und eine so enorme Mehrbelastung auf sich zu nehmen, welche die Rentabilität des Oelabbaues völlig in Frage stellen würde. Diese Situation wird nun durch verschiedene Quertreibereien noch weiter kompliziert, die sich teils innerhalb der „Iraq Petroleum Co." selbst abspielen, teils von einem Konkurrenten ausgehen, der „British Oil Development Co.". Diese beansprucht die Durchbrechung des Monopols der „Iraq Petroleum Co." und stellte als Gegenleistung der Irakischen Regierung finanzielle Unterstützung zur Durchführung des Bahnbaues in Aussicht. So spielt sich hinter den Kulissen ein zähes Ringen verschiedener Kräfte ab, in denen der Bagdadbahn-Gedanke als eines des Kampfmittel mit hineingezogen wurde. In der letzten Zeit scheint sich eine gewisse Entspannung anzubahnen, indem die „Iraq Petroleum Co." die baldige Angriffnahme des Baues der Oelleitungen in Aussicht stellt und der Regierung wichtige finanzielle Kompensationen für die Vertragsänderung bietet. Dadurch dürfte die Forderung des Bahnbaues, die ohnehin mehr den Charakter eines politischen Schachzuges trug, von selbst in den Hintergrund treten. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß alle Bedingungen fehlen, die geeignet wären, jenen gigantischen Plan zur Verwirklichung ausreifen zu lassen. Wir hatten bereits gesehen, daß die Bahn eine zur wirtschaftlichen Selbsterhaltung ausreichende Basis nicht besitzt, aber ebensowenig darauf rechnen kann, aus