Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1931)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 339 (sequence 6)
- Language
- German
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fehlten. Und einer der aktivsten Mitarbeiter der amerikanischen Nichtzionisten, L. K. Fr,ankel, starb unmittelbar nach der Tagung. So unterschied sich dieser Council wesentlich von dem Zfüricher Council vor zwei Jahren. Er hatte mehr den Charakter einer Geschäftssitzung, wobei in den drei Tagen freilich eine erschöpfende Behandlung der Angelegeiijheiten nicht möglich war. Von den gehaltenen Reden sind vor allem zwei Kundgebungen bemerkenswert: Die Eröffnungsrede von Dr. Cyrus Adler, der eine ruihige und räsonable Darstellung der Ziele der Jewish Agency gab, vielleicht veranlaßt durch die Zieldebatte des Zionistenkongresses; seine Rede war durchaus auf den Ton der Entschlossenheit zur Weiterführung des Palästina- Werkes auch in dieser schweren Zeit abgestimmt und setzte zugleich die Realitäten der politischen und wirtschaftlichen Wirklichkeit ins rechte Licht. Die zweite Rede der Agency-Tagung, die hervorgehoben werden muß, ist die Ansprache Dr. Weizmanns, der während der zweiten Sitzung im Saale erschien und, obwohl nicht mehr als Präsident, einige Worte an die Versammlung richtete. In dieser kurzen Rede hat Weizmann in sehr wirkungsvoller Weise die Erfordernisse des jüdischen Nationalheims im Gegensatz zu aller überhitzten Demagogie dargestellt, vor allem als ein entscheidendes Erfordernis jeden Fortschritts den Frieden im Lande hingestellt. Die Council- Tagung wählte fünf nichtzionistische Mitglieder der Jewish Agency-Exekutive, und zwar neben den bisherigen Mitgliedern Dr. Kahn, Dr. Hexter und Dr. Senator noch den Erziehungsreferenten Dr. Berksen und den Direktor der zentralen Kooperativbank Harry V i t e 1 e s. Die Agency-Exekutive besteht also jetzt aus zehn Mitgliedern, nämlich aus den genannten fünf Zionisten und fünf Nichtzionisten. Ueber die sonstigen Beschlüsse der beiden Tagungen ist nicht viel zu berichten. Diese Beschlüsse, die in der Kongreß-Stimmung häufig die Parteien sehr aufzuregen pflegen, dienen in der Regel nur zum Abdruck in den Protokollen. Die Mehrheit der Delegierten ist sich gar nicht bewußt, worüber bei den Berichten der Kongreß-Kommissionen abgestimmt wird und die gefaßten Beschlüsse sind kaum von großer Tragwleite, da sich bereits erwiesen hat, daß es unmöglich ist, den Gang der praktischen Arbeit auf zwei Jahre oder auch nur auf Monate vorher zu bestimmen. Das Leben und die wirklichen Arbeitsbedingungen sind hier die entscheidenden Faktoren. Dies gilt sogar für denjenigen Punkt, um dessen prinzipielle Bedeutung vor einigen Jahren ein leidenschaftlicher Kampf geführt wurde, vom Budget. Bekanntlich hat bei den Vorbereitungen für die Erweiterung der Jewish Agency das sogenannte „Budgetrecht des Kongresses", worin man ein besonderes Kennzeichen seiner Souveränität erblicken wollte, eine erhebliche Rolle gespielt. Heute hat man begriffen, daß von einem Budgetrecht im eigentlichen Sinne überhaupt nicht die Rede sein kann, wlo nur über Ausgaben, nicht aber über Einnahmen beschlossen wirÜ. Der letzte Kongreß hat ein Budget von 366.000 Pfund angenommen, die Agency wollte dies auf 351.000 beschränken, schließlich wurde die ganze Frage dem Administrativ-Komitee überantwortet, das seinerseits wieder der Exekutive Vollmacht gab. Aus den erwähnten Ziffern ersieht man, daß die Schätzung der zu erwartenden Einnahmen gegenüber den Vorjahren sehr erheblich herabgesetzt wuräe. Sprach man doch zur Zeit der erweiterten Agency von einem Jahresbudget von einer Million Pfund, ein Betrag, den auch' die Joint Palestine Survey Commission als Mini-