Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1931)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 338 (sequence 5)
- Language
- German
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Agency), sich in eine isolierte Stellung hinein zu manövrieren, nachdem ihre Versuche, als beherrschender Faktor zur Macht zu kommen, auf Schwierigkeiten gestoßen waren. Die Regierungsunfähigkeit der Revisionisten hatte sich auf dem Kongreß so eklatant erwiesen, daß die logische Folgerung aus der Kongreß-Gruppierung, nämlich die Bildung einer Leitung seitens des Majoritätsblockes von Revisionisten, Misrachi und xMlgemeinen Zionisten, vereitelt wurde Die Allgemeinen Zionisten und die Amerikaner wollten dies nicht mitmachen. Sie waren also gezwungen, Anschluß nach linfks zu suchen, ein nach dem Verlauf des Kongresses recht schwieriges Beginnen. Es kam ihnen jedoch der Umstand zu Hilfe, daß die Arbeiterpartei, die. um die Erhaltung der Arbeiterpositionen in Palästina bangt, um jeden Pjneäs in die Leitung einzutreten wünschte. Nach langwierigen, schlaflose Nächte beanspruchenden Verhandlungen, deren Einzelheiten hier nicht gesichildert zu werden brauchen, kam schließlich die neue Leitung zustande. Der neue Präsident, Herr Sokolow, ist eine ausgesprochene Verlegenheits-Kandidatur; er ist der persönlich verehrte Nestor der Bewegung, der stets eine gewisse überparteiliche Position hatte, den Gedanken des inneren Friedens gewissermaßen symbolisiert, auch von Dr. Weizmann bereits vor Monaten als geeigneter Nachfolger bezeichnet wurde, schon weil er der Außenwelt gegenüber als Garantie der Kontinuität der zionistischen Politik wirkt. Was jedoch die persönliche Eigenart und das politische Temperament betrifft, kann man Sokolow wohl keineswegs als Exponenten einer „starken" Politik betrachten, und wenn die Revisionisten, die Dr. Weizmann stets zu große Nachgiebigkeit gegenüber England vorwarfen, mit ihren Stimmen die Wahl Soikolows unterstützten, so kann man das nicht anders verstehe-n, als daß Scikolow hier ganz unabhängig von seinen persönlichen Qualitäten einfach als Bollwerk benutzt wurde, um den Weg für eine Rückkehr Weizmanns, die im letzten Moment als Notausweg in der allgemeinen Ratlosigkeit nicht völlig ausgeschlossen schien, zu verrammeln. Die Exekutive, die schließlich zustandekam, besteht aus zwei Vertretern der Arbeiterpartei (A r 1 o s o r3, o f f und Locker), einem früheren politischen Mitarbeiter Weizmanns (B r 10 d e t z k y), einem Amerikaner (Newman) und einem Misracjiisten (Färb stein). Obwohl diese fünf in ihren Anschauungen keineswegs einheitlich sind und insbesondere Farbstein sich seit Jahren und auch auf diesem Kojngreß unumwunden zum revisionistischen Judenstaats-Ffrogramm bekennt, wurde ein Programm der neuen Exekutive proklamiert, das sich im wesentlichen mit dem Programm Weizmanns deckt und auch den umkämpften Punkt enthält, es müsse ein Ausgleich mit den Arabern auf Grundlage des Prinzips, daß keines der beiden Völker herrschen und keines beherrscht werden solle, gesucht werden, — also jenes Programm, das man abgekürzt unter der Parole „binationales Palästina" zusammenfassen kann. Man muß sich wirklich fragen, qb d'er Kongreß sich in diesen seinen letzten Stunden noch klar war, was er da eigentlich billigte. Hatte so der Zionistenkongreß in ziemlicher Konfusion geendet, so bot auch die darauffolgende Tagung des Councils der Jewisjh Agency keineswegs ein erhebendes Bild. Die außerordentliche Wirtschaftsdepression in der ganzen Welt — wähnend der Tagung kam es zu der akuten Finanzkrise in Deutschland — hatte die Beschickung der Tagung stark beeinträchtigt. Zen* trale Figuren der Agency, wie Marshall und Melchett sind tot, aber auch so charakteristische Köpfe wie Felix Warburg und Oscar Wassermann