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Palästina · 1931-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1931) · p. Seite 336

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1931)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1931-07-01
Page
Seite 336 (sequence 3)
Language
German
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Mächte, sei es an England oder an die einst so scharf bekämpften Nichtzionisten, und schließlich wuiride immer unverhohlener der Verdacht des „Verrates" laut. Der Führer, so hieß es, hat den Glauben verloren, er kann nicht mehr Führer sein. (Diese Formulierung stammt von Ussischkin, den man wohl, unter Hintansetzung der weniger Urbanen Revisionisten, als den wirklichen Repräsentanten des unbeugsam - starren Alt - Zionismus ansprechen kann.) Eine Bestätigung dieser Ansicht fand man darin, daß Weizmann in seiner Rede im A. C. im August 1930) erklärte', ein. Judenstaat in Palästina sei unmöglich und das Jüd. Nationalheim müsse in einem jüdisch-arabischen Palästina errichtet werdein. Dies wurde als eine Versündigung an dem ideellen Grundbestand des Zionismus, wozu das Ideal des Judenstaates gehört, empfunden, und Weizmanns Gegner glaubten nun das richtige populäre Mittel gefunden zu haben, um ihn zu beseitigen. Die Angriffe konzentrierten sich jetzt auf seine Gesinnung, nicht auf seine Politik. Und im Verfolg dieser Linie wurde auch die Generaldebatte des Kongresses — 'ganz abseits von allen aktuellen politischen Fragen — eine Diskussion über das zionistische „Endz i e 1", d. h. sie zielte darauf ab, durch Brandma/rkung der Weizmannschen Zielsetzung als einer zionistisch unzulässigen, ihn selbst als Führer unmöglich zu machen. Es würde zu weit führen, hier alle Phasen dieser Auseinandersetzung darzustellen. Schon bei Beginn des Kongresses war es klar, daß eine Mehrheit gegen Weizmanns Auffassung vorhanden ist. Der Fortgang des dramatischen Geschehens wurde aber wesentlich durch eine Aeußerung beeinflußt, die Weizmann während des Kongresses gegenüber dem Chef der Jüdischen Telegraphenagentur gemacht hat und die von diesem an die Presse weitergegeben wurde. In diesem Interview warnte Weizmann davor, eine jüdische Mehrheit in Palästina als Ziel des Zionismus zu proklamieren, da eine solche Forderung provokatorisch wirken würde. Zugleich sprach er seine Ueberzeugung aus, daß eine jüdische Mehrheit keine unerläßliche Vorbedingung für die Errichtung des Jüdischen Nationalheims ist. Auf dem Kongreß interpelliert, interpretierte Weizmann diese seine Aeußerung, indem er auf Grund seiner politischen Erfahrungen nachwies, wie sehr eine Proklamierung radikaler Ziele den Zionismus politisch schädigt und seinen Fortschritt hemmt. Der Kongreß war jedoch gegen den sachlichen Gehalt dieser Ausführungen bereits taub geworden. Es wäre ein dankbarer Gegenstand für sozialpsychlogische Studien, aufzuzeigen, wie sehr sich die einmal entstandene und geschürte Stimmung des Mißtrauens völlig von ihrem sachlichen Boden loslöst und ihre Befriedigung fordert, schon aus einem gewissen Bedürfnis des eigenen Prestiges, das nach einer solchen Zuspitzung der Konflikte eine Zurücknahme der Kampfparole nicht mehr ertragen würde. So kam es, daß der Kongreß beinahe zwei volle Wochen ausschließlich im Zeichen dieser Endzielfrage stand, der gegenüber alle aktuellen Sorgen in den Hintergrund traten. Und allmählich galten die Bemühungen nur noch dem Auffinden einer passenden Formel, die vor allem den Zweck erreichen sollte, Weizmann zu desavouieren. Der Kongreß hatte durch die* große Stärke der revisionistischen Fraktion mit ihren 50 Delegierten diesmal ein ganz anderes Gesicht als sonst; und die revisionistische Fraktion vermochte durch taktische und psychologische Mitte] einen großen Teil des Kongresses unter ihren Einfluß zu bringen, zumal große1 Teile anderer Fraktionen, vor allem des Misrachi und der Allgemeinen Zionisten, in diesen Fragen ohnedies der revisionistischen Anschauung sehr nahe-

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