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Palästina · 1931-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1931) · p. Seite 335

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1931)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1931-07-01
Page
Seite 335 (sequence 2)
Language
German
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vorauszusehen ist, hindurchzusteuern und die Chancen des Aufschwunges und d^r Weiter arbeit für die Zukunft zu retten. Die Tagungen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, die im Juli in Basel abgehalten wuitden, standen auch wirklich im Zeichen einer kritischen Zuspitzung, nur druckte sich das kuriqserwedse weniger auf dem Gebiete wirtschaftlicher und finanzieller Maßnahmen, als vielmehr — wie das so häufig in Zeiten wirtschaftlicher Not bei allen Völkern der Fall ist — in politischer Unruhe aus. Noch nie hat sich auf einem Zionistenkongreß nach dem Kriege so auffallend wenig Interesse für das Budget gezeigt, das sonst geradezu im Mittelpunkt aller Verhandlungen zu stehen pflegte. Es schien, als habe rtian sich damit abgefunden, daß das Budget überhaupt nur ephemer ist, u>nd die Tragweite dieses Zustandes wurde keineswegs gebührend gewürdigt. Auf der andelren Seite aber bildete der Koaigreß den Abschluß einer Entwicklung politischer Rückschläge, die unmittelbar nach dem vorigen Kongreß mit den Unruhen im August 1929 begonnen hatte und sich vom Bericht der Shaw-Kommission bis zum Weißbuch Lord Passfiel ds hinzog. Ein großer Teil der Bewegung erblickte bekanntlich in dieser Entwicklung ein Debacle der bisherigen zionistischen Politik, die mit dem Namen Dr. Weizmanns verbunden war, und glaubte, daß nur ein „schärferer Kurs" gegenüber England hier Wandel schaffen kann. Weizmann selbst hat als Antwort auf das Weißbuch seinen Rücktritt erklärt, was die englische Oeffentlichkeit stark irritiert hatte, und der Kongreß sollte nun einen neuen Führer wählen, um die Demonstration gegen England zu vollenden. Nach der Ansicht mancher Zionismen und Engländer war freilich durch den Macdonald- Brief vom 13. Februar 1931 an Dir. Weizmann die Situation verändert worden. Man meinte, daß tiieser Brief wenigstens einen Teil des Unrechtes wieder gut gemacht und dadurch die BaJsis für die frühere, durch den Rücktritt Weizmanns im Prinzip unterbrochene Politik der Kooperation mit England wieder hergestellt hat. Ob auch Weizmann der Ansicht war, daß hier eine ausreichende Genugtuung vorliegt und daß hier der Kongreß seine Demission nicht zur Kenntnis nehmen sollte, läßt sich schwer sagen; nach außenhin jedenfalls beharrte Weizmamn auf seiner Demission und erklärte diesen Entschluß feierlich in seiner Ansprache an den Kongreß, die diesmal bereits nicht den Charakter einer präsidentiellen Eröffnung hatte, sondern als politischer Bericht in der zweiten Kotngreßsitzung figurierte. Weizmanns Rücktritt aber, nach fünfzehjähriger Leitung der zionistischen Politik, markiert nach außen am deutlichsten das Ende einer Epoche. Aber die Dinge kamen auf dem Kongreß anders, als sich aus der geschilderten Situation ergeben sollte. Nicht die Politik gegenüber England, nicht die akuten Streitfragen bilden den Mittelpunkt, um den herum auch die Führerfrage behandelt worden wäre, sondern die Absetzung Weizmanns nahm den Charakter eines Ketzerg ex i c Ji t e s an, das in der bisherigen Geschichte der zionistischen Bewegung ojme Beispiel ist, wenn wir auch ähnliche Behandlung von großen, dem Durchschnitt des Volkes weit überlegenen Führern aus anderen geschichtlichen Beispielen kennen. Schon seit Jahrzehnten hat man es mit Unbehagen gesejien, wie Weizmann aus dem engen Gefüge der traditionellen zionistischen Welt mit ihren von Anbeginn an geradlinigen, abstrakten Vorstellungen herausstrebte, um dem Zionismus einen Weg in die Wirklichkeit zu hajinen. Man empfand das als Anbiederung an andere

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