Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1931-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1931) · p. Seite 310

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1931)
Article
Die Strömungen und die politischen Organisationen der palästinensischen Araber
Date
1931-07-01
Page
Seite 310 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379892-2379897-2393751--12437-2394039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

die in bezug auf das Verhältnis zum Zionismus den Standpunkt der britischen Beamten, der „Freunde der Araber", einnimmt. Trotz aller Unterschiede, welche zwischen den Mitgliedern dieser Richtung, welche aus Inhabern freier Berufe, die in der Theorie extreme Nationalisten sind, Grundbesitzern und Kaufleuten, die überhaupt keine politische Aspiration haben, und der anderen, besteht — einigt sie die praktische Anschauung. Sie besitzen größtenteils keine pan-arabischen oder pan-islamatischen Aspirationen und streben: danach, sich der Wirklichkeit anzupassen und von ihr nach Möglichkeit am meisten zu genießen. 2. Die christlichmuselmanischen Vereine: Solche Vereine wurden in den ersten Jahren der Mandatsherrschaft in vielen Städten und größeren Dörfern des Landes gebildet. Sie waren der Ausdruck der allgemeinen politischen Begeisterung, welche in jenen Jahren die Araber erfaßt hatte. Die Christen hatten Angst, es könnte die arabische Bewegung zu einer mohammedanischen werden und beeilten sich daher, den Mohammedanern idie Hand zu reichen. Ui*d bis zum heutigen Tage hängt die Existenz dieser Vereine von der politischen Temperatur ab; im Perioden der Rückschläge — frieren sie ein und verschwinden fast. Ihre leitenden Komitees werden in Versammlungen von Ehrenmitgliedern gewählt, deren Zahl gering ist. In Jerusalem gibt es überhaupt keinen solchen Verein. Auch in Haifa gibt es keinen gemeinschaftlichen Verein; dort besteht ein eigener muselmanischer Verein und besondere christliche Vereinigungen. Der mohammedanische Verein in Haifa und der ehr istlich -muselmanische in Sichern sind in den Händen der Mufti-Anhänger und zeichnen sich durch ihren Radikalismus aus. Der aktivste Verein ist der Jaffaer. Im allgemeinen betrachten sich diese Vereine als Filialen des arabischen Aktionskomitees, wiewohl zwischen ihnen ein organisatorischer Zusammenhang nicht besteht. Innerhalb der Vereine wird der Kampf zwischen der Mufti-Partei und der muselmanischen Opposition fortgesetzt und die Christen bilden sehr oft das Zünglein an der Wiäage. Ein besonderes politisches Programm haben die Vereine nicht. Ihre Aufgabe dst es, an ihrem Sitz nationalpolitische Aktionen durchzuführen. (Proteste, Demonstrationen, Boykott.) 3. Die Partei der Medschlesiin. Diese Partei ist die stärkste im Lande durch ihre Aktivität und durch ihre organisatorische Kraft. Sie ist die Partei der Medschlesiin oder noch richtiger, die Mufti-Partei, Die Führer dieser Partei sind verhältnismäßig junge Parteileute (im Alter von 35 bis 45 Jahren), welche bei Kriegsende und nachher auf der politischen Tribüne erschienen. Der Führer, der Mufti, ist zirka 40 Jahre alt. Er war aktives Mitglied der syrischen Gruppe Istikal (Selbständigkeit), welche sich vollständig negativ zu den christlichen imperialistischen Staaten verhält. Sein Extremismus erschreckte und zog zugleich die britische Administration im Anfange der Statthalterschaft von Herbert Samuel an und dieser junge Mann wurde aus dem Gefängnis geholt und an die Spitze der wichtigsten Institutionen der Mohammedaner Palästinas gestellt, wiewohl die Mehrheit der muselmanischen. Wähler einen anderen, angeseheneren Mann, als den Mufti gewählt hatte. Die Gruppe „Istikal" im Lande wurde aus einem Feinde ein Freund der Regierung, ihre obersten Führer wurden zu Beamten oder fast zu Beamten der Regierung. (Der Mufti erhält die Hälfte seines Gehaltes, als Haupt der religiösen Gerichte, aus dem Staatssäckel. Der zweite Führer, Arijf al Arif, ist seither überhaupt ein Regierungsbeamter.) Der Extremismus des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.