Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1931)
- Article
- Die Strömungen und die politischen Organisationen der palästinensischen Araber
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 307 (sequence 4)
- Language
- German
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ungehalten, ja in offiziellen Erklärungen sprechen sie über sie sogar ihre Freude aus. Das Verhältnis zum britischen Mandat und zur zionistischen Bewegung. Die politischen Strömungen der palästinensischen Araber bewegten sieb bisher um folgende zwei Pole: Mandat und Zionismus.1 Die christlichen Araber, deren Zeitungen bis zum heutigen Tage im Lande am meisten verbreitet sind, stützen das Mandat absolut. Die scharfe Kritik, die manchmal die Form absoluter Abweisung annimmt, welche zuweilen in der Presse laut wird, ist nichts als Taktik. Komplizierter ist das Verhältnis der Muselmanen zum Mandat. Im allgemeinen und in offiziellen Enunziationen im besonderen, lehnen sie jedes Mandat eines fremden Staates über Palästina ab. Aber in der Praxis erkennen sie das Mandat an, söhnen sich damit aus, sowohl wegen des in demselben enthaltenen Zwanges, als auch aus politisch-praktischer Berechnung. Die Muselmanen wissen sehr gut, daß ihre Forderungen bezüglich Palästinas nicht gleich sind den Forderungen der Bewohner des Irak auf den Irak und der Syrier auf Syrien. Im Gefolge ihres Kampfes 'gegen den Zionismus wurden die Muselmanen gezwungen, sich oft an die christliche Welt zu wenden, um sie zu erinnern, daß auch deren Heiligtümer sozusagen in Gefahr sind durch das Eindringen der Juden ins Lanid. In diesem Sich wenden an die christliche Welt liegt eine gewisse Anerkennung des internationalen Status des heiligen Landes. Allenfalls wissen die Muselmanen ganz genau, daß die Eroberung Palästinas durch die Engländer nicht um des Zionismus i willen geschah, sondern wegen englisch-christlicher Interessen. Sie leugnen natürlich auch gar nicht die religiöse und historische Bedeutung Palästinas für das Judentum und man kann keinen Araber-Muselmanen, einen realen Politiker, finden, der allen Ernstes glaubt, das Land werde in naher Zukunft1 den Muselmanen ausgeliefert werden, selbst in der Form eines Vertrages zwischen1 ihnen und England nach dem Muster des Irakvertrages. Das Wort Intitab (Mandat) ist zwar verhaßt und ein Gegenstand der Vierachtung in den von der Masse bei verschiedenen Feierlichkeiten gesungenen Liedern. Aber diese Lieder sind das Erbe der ersten Nachkriegs jähre, in welchem eine extreme Propaganda gegen jenes Mandat geführt wurde und die englische Herrschaft noch nicht in der Lage war, einen Bund mit dem extremen Flügel der arabischen Intelligenz zu schließen. Im allgemeinen wird hier über die weltliche und religiöse Intelligenz und über die Klasse der Reichen gesprochen, denn die arabische Masse ist einfach lulnd naiv wie jede Masse; die muselmanische Masse haßt die Christen im allgemeinen, verhält sich gegenerisch den Fremden gegenüber und unterliegt der Ueberredung und Aufreizung. Es gibt in Palästina keine selbstbewußte Masse, in dem Maße, wie das in Europa vorzufinden ist. Heute, nach 13 Jahren englischer Herrschaft, gibt es im Lande nicht eine wichtige Strömung oder einflußreiche Organisation, die auf ihre Fahnen den Kampf gegen das Mandat als solches geschrieben hätte. Es gibt im Lande eine kommunistische Partei, die sich in der letzten Zeit bemüht, hauptsächlich arabische Mitglieder zu werben. Die anti-imperialistische Liga, durch Moskau organisiert, hat im Lande Bundesgenossen bei einem Teile der jungen Intelligenzler gefunden. Diese Araber sind natürliche Gegner des Mandats, aber sie wirken im geheimen, stellen eine unbedeutende Mehrheit dar und haben auf die öffentliche Meinung keinen Einfluß. Der Kampf ist gegen) den Umfang der Herrschaft