Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Wirtschaftsberichte aus Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 222 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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oder vier gefunden, die für Investitionen in Palästina Interesse gezeigt haben> aber auch dieses sei verpufft, da keine geeignete Institution sich gefunden hat', um die betreffenden Menschen zu leiten. Und doch bieten sich aus bestimmten Gründen gerade jetzt große Möglichkeiten, den jüdischen Besitz an fruchttragenden Orangenplaiitagen zu vergrößern. Die Touristensaison hat also keine Privatinitiative gebracht und die zionistischen Fonds haben kein Geld und ringen schwer um ihre Existenz, insbesondere der Keren Hajessod, der nicht einmal die Gehälter bezahlen, geschweige denn etwas für Neuansiedlung tun kann. Die Propaganda für den Keren Hajessod muß reorganisiert werden, aber die Früchte solcher Maßnahmen werden jedenfalls nicht mehr in diesem Sommer reifen. Bezüglich des Keren Kajemeth, der in den Herzen des Volkes verankert ist und der ein festumgrenztes Ziel hat, ist zu hoffen, daß er die Krise leichter überwinden werde. Die Lage der Landwirtschaft ist schlecht, weil wir vor einem Jahr der Dürre stehen und auch die Feldmäuse wieder großen Schaden angerichtet haben. Das Getreide steht also schlecht und auch in den Trockenpflanzungen wirkt sich die Dürre aus. Die Mandelernte beträgt kaum die Hälfte des Vorjahres. Und im Vorjahr hat der niedrige Stand der spanischen Valuta einen Preissturz der Mandeln um 35 Prozent bewirkt. Auch der Preis der Weintrauben ist stark gefallen, da man in den letzten Jahren viel zu viel Wein in Palästina angepflanzt hat. Ebenso ist der Preis für Milch, Bananen, Hühner und Eier gefallen. Einzig und allein die Orangen-Pflanzer sind in einer besseren Lage, aber auch sie haben Sorgen. Vor allem muß man bedenken, daß bisher nur 17 Prozent der jüdischen Orangenpflanzungen Frucht tragen, die übrigen haben keine Einnahmen und brauchen Geld. Aber auch von den Pflanzern, die bereits Einnahmen haben, werden etwa 50 Prozent dieses Jahr noch kreditbedürftig sein. Was die Städte betrifft, so ist auch hier die Lage nicht rosig. Der Handel von Tel-Aviv, das das Hinterland der Pflanzungskolonien hat, ist besser daran als Haifa. Auch die Industrie hat zu kämpfen und die Uebersiedlung einer Fabrik aus Tel-Aviv nach Syrien ist ein Alarmruf. Die Anziehungskraft von Syrien ist groß, weil das Wirtschaftsgebiet des Landes viel größer ist, der Arbeitslohn kaum die Hälfte beträgt, keine Streikgefahr ist usw. Diese Umstände bewirken auch eine gefährliche Konkurrenz der billig arbeitenden syrischen Industrie gegenüber der palästinensischen. Was schließlich die Lage der Arbeiter betrifft, so stehen wir vor einer bedrohlichen Arbeitslosigkeit, die auch die Schwierigkeiten des Kleinhandels noch vermehren wird und außerdem die Gefahr sozialer Unruhen in sich birgt. Der Verfasser untersucht die Frage, welche Gründe zu diesem Zustand geführt haben. Der Hauptfehler liegt nach seiner Meinung in der Ueberschätzung der heutigen Möglichkeiten des Landes. Man hat bei der Schaffung von Unternehmungen die zionistischen Zukunftsträume, die zweifellos berechtigt sind, mit den heutigen Realitäten verwechselt. Palästina bedarf zu seiner Entwicklung der Hilfe von außerhalb; solange dies aber nicht ausreichend erfolgt ist, dürfe man nicht die ganzen Wirtschaftspositionen auf Hilfe von außen abstellen. Nur durch diesen Irrtum entstand der überhöhte Lebensstandard in Palästina. Nur aus der Ueberschätzung unserer Kräfte kamen wir zu den hohen Gehältern, dem übertriebenen Arbeitslohn und dem aufgeblähten Luxus der öffentlichen Einrichtungen: eine Menge Zeitungen, eine 'Menge Verlagsbuchhandlungen, eine Menge Kulturinstitutionen, so und so viele