Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Wirtschaftsberichte aus Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 221 (sequence 3)
- Language
- German
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Importwert, der 1930 73 Prozent des Gesamtvolumens des Außenhandels ausmachte, stark fühlbar machen wird, weiters aber, weil der Passivsaldo nur durch Kapitalzufuhr und zum Teil durch Touristenkonsum gedeckt werden kann, das Einströmen jüdischen Kapitals aber, wie erwähnt, sehr stark zurückgeht. Das bedeutet natürlich Einschränkung des Konsums der Bevölkerung und der Aufbautätigkeit. Zunächst macht sich dies heuer im Baugewerbe fühlbar. Im Jahre 1930 wurden zahlreiche größere Bauten errichtet, für 1931 sind bisher nur wenige geplant, wie das Rockefeller-Museum, das jüdische Blindeninstitut, die jüdische Kadoorieschule, die Chaussee Jericho — Totes Meier, die 180 Häuser der Arbeitervorstadt bei Haifa, ferner eine Straße von Pietach Tikwah nach Norden^ eine von Kfar Tabor nach Jabnel, die aus dem Plan der „Ansiedlung der Tausend" zunächt zu errichtenden 400 Häuschen usw. Vielleicht wird auch der Aufbau der großen neuen Pica-Kolonie Pardess Ghana bald beginnen. Demnächst sollen dort 25 Häuschen gebaut werden. Die Verwaltung der Pica versprach vor Kurzem, eine Anzahl von Arbeiten in Kabarah, Pardess Chana usw. durchzuführen. Durch den Rückgang der Bautätigkeit ist auch die Zahl der jüdischen Arbeitslosen, die im April für das ganze Land auf 2500 geschätzt wurde, in den! Städten besonders hoch. Bei der ungünstigen Lage des Keren Hajessod ist die Frage ihrer Unterstützung wieder sehr akut geworden. Wie bekannt, hat die Jewish Agency auch die ihr im Herbste 1930 übergebenen 1480 Zertifikate nicht voll ausnützen können, es sind aber nur etwa 100 zurückgeblieben. Die Zertifikate wurden hauptsächlich an solche Chaluzim gegeben, die in Kibbuzim mit eigenen Hilfswirtschaften eintreten oder feste Stellungen im Lande einnehmen konnten. Bei aller Sorge wegen der Arbeitslage darf nicht vergessen werden, daß es Jahre mit viel größerer Arbeitslosigkeit gab, zum Beispiel 1927, zeitweise zirka 8500. Ueber die Ernteerträge im vorigen Jahr liegen noch keine detaillierten Berichte vor. Im allgemeinen waren die Erträge in Cerealien sehr gut, jedoch waren im Emek und anderen Distrikten sehr große Schäden durch die Mäuseplage zu verzeichnen, da und dort auch durch Heuschrecken. Der Preissturz der Produkte war ein katastrophaler. Vom Jänner bis Dezember 1930 fiel der Preis für das Kilo: Weizen von 8.9 auf 6.8 Müs, Gerste von 5.5 auf 3.7 usw. (Siehe „Nachrichten und Daten".) Wie schon mitgeteilt, hat die Regierung Zehentnachlässe gewährt und sogar den arabischen Bauern Anleihen gegeben, sowie mit Einfuhrverboten und Zollerhöhungen gearbeitet. Der Preissturz trifft die getreidebauenden Fellachen nicht in voller Wucht, da sie ja nur einen kleinen v Teil ihrer Ernten auf den Markt bringen (siehe Artikel Ruppin in Nr. 3/4, Seite 103). Eine sehr beachtenswerte Uebersicht über die Wirtschaftslage enthält die Zeitschrift der jüdischen Farmer „Boust'nai" vom 15. April, die von Mosche Smilansky verfaßt ist. Es heißt darin-, daß im Gefolge der Krise dem jüdischen Palästina „Tage der Prüfung" bevorstehen, die zu einer Katastrophe führei? 'können, wenn man ihnen nicht gerüstet gegenübertritt. Er charakterisiert zunächst die Lage der einzelnen Berufsstände. Die Touristen-Saison war unbefriedigend und unter den jüdischen Touristen haben sich nicht mehr als drei