Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Die Frage der Einführung einer Einkommensteuer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 210 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379892-2379896-2393318--12107-2393597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eigentum zu wenig, die ländliche zu hoch besteuert. Sie schlug neben einer Herabsetzung des Oscher eine Erhöhung der städtischen Werko-Grundsteuer auf mehr als das Doppelte vor. — Die Red.) *) Es wäre nicht richtig, zu glauben, daß die städtischen Klassen der Bevölkerung keine Steuer tragen. Die Zölle und Accisen belasten alle Klassen der Städter, außerdem gibt es noch Werko, städtische Steuern, Taxen. Den Ertrag von Eisenbahnen, Post, Telegraph liefern fast gänzlich die städtischen Elemente. Der Autor meint, daß von einer ungerechten Verteilung der Lasten zwischen Stadt und Land in Palästina keine Rede sein kann. Die einzuführende Einkommensteuer würde vor allem die Juden treffen. Wenn diese auch nicht die Mehrzahl der Kaufleute stellen, so wird ja eine Steuer auf die Händler stets auif die Konsumenten überwälzt. Im übrigen ist der arabische Inlandhandel kaufmännisch so primitiv, daß er natürlich der Besteuerung entgehen würde. Diese würde nur auf Unternehmungen europäischen Zuschnitts fallen, die eine ordnungsgemäße Buchführung führen und das sind, mit wenigen Ausnahmen, bloß die jüdischen. Es muß die städtische Grundeigentumsteuer Werko zur Illustration herangezogen werden, die bekanntlich die Juden weit stärker belastet, als die Nichtjuden, weil die ersteren sie vom Neukaufswert leisten, indeß bei den Arabern der Besitz und damit die Schätzung auf die Türkenzeit zurückgeht. **) Es muß auch wiederholt werden, daß die Juden heute mit 7.240 Pfund, die Araber bloß mit 1.380 Pfund per Kopf besteuert sind und bei den Verkehrsunternehmungen der Anteil 4.5505 und 1.320 ist. ***) Auch das Argument, daß Palästina kapitalistisch weiter entwickelt ist als Irak, ist nicht stichhältig, weil das jüdische Kapital nur zu einem kleinen Teil als normales, gewinnsuchendes Geschäftskapital einströmt. Die jüdische Industrie begegnet bei ihrer Einführung großen Schwierigkeiten und stößt bei der Regierung auf keine Sympathie und Förderung. Es gingen zirka 25 Prozent der investierten Summe zur Ueberwindung der anfänglichen Schwierigkeiten verloren. Es ist auch gar keine Aussicht, daß in dem nächsten Vierteljahrhundert sich eine bedeutende Industrie entwickeln könnte. Sie arbeitet übrigens unter viel ungünstigeren Bedingungen als die anderer Staaten. Die nächste Zeit wird angesichts der allgemeinen Depression jedenfalls eine schwere sein. Gegenwärtig leidet die jüdische Industrie auch unter dem Mangel an Kapital, das nötig wäre, um die Ausrüstung zu verbessern. In Irak hat man zur Ermutigung der Industrie ein Gesetz erlassen, das sie von allen Steuern befreit. Der finanzielle Effekt einer Einkommensteuer in Palästina kann wie folgt geschätzt werden: Wenn wir, sehr günstig geschätzt, den Ertrag des in der Industrie angelegten Kapitals mit 175.750 Pfund annehmen, so würde die Einkommensteuer davon 5- bis 9000 Pfund betragen. Auch eine Verdoppelung oder Verdreifachung dieser Zahlen würde also keinen befriedigenden Effekt liefern. Wird aber die Industrie von der Einkommensteuer befreit, so bleiben nicht viele Zensiten übrig. Vor allem die Kaufleute, die, wie schon erwähnt, jede *) Vgl. auch Artikel: Dr. A. Bonne: „Zum Problem der Steuerbelastung", Nr. 1/2, 1930, Seite 46. **) Vgl. Artikel: Dr. Granovsky: „Die Abschaffung der Werkosteuer in den Städten", Jahrgang 1928, Heft 3/5. ***) Zahlen aus S-Hoofien: „Immigration and Prosperity", Tel-Aviv 1930