Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Die Frage der Einführung einer Einkommensteuer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 211 (sequence 4)
- Language
- German
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neue Steuer sofort überwälzen. Das Resultat wäre dasselbe wie bei einer Zollerhöhung. Der Festbesoldete hätte nicht nur eine neue eigene Steuer zu zahlen, sondern auch die auf ihn überwälzte seiner Lieferanten. Letztere auclif, wenn er selbst (etwa bis zu einem Einkommen von 200 bis 300 Pfund) von der Steuer befreit wäre. Uebrigens ist die Zahl jener Besoldeten in Palästina, die jährlich mehr als 200 bis 300 Pfund beziehen, sehr gering. In England beginnt die Steuer für eine Familie mit zwei Kindern bei einem Einkommen über 400 Pfund und steigt bei 600 Pfund erst bis 2.6 Prozent. Dazu muß daran erinnert werden, daß in England die direkte Steuer die. hauptsächlichste Form der Besteuerung ist, während in Palästina sehr hohe indirekte Steuern bestehen. Aber selbst, wenn trotzdem die englischen Sätze eingeführt werden würden, so könnten von den Besoldeten und den freien Berufen keine 4000 Pfund ge» zogen werden. Eine Einkommensteuer in Palästina würde also gar keinen finanziellen Effekt von irgendeiner Bedeutung erzielen, aber vielfach schädliche Wirkungen habend Für Palästinas heutigen Stand, der dafür nicht reif ist, wäre sie unbedingt abzulehnen, da sie auf die ökonomische Entwicklung lähmend wirken könnte, die mit allen möglichen Mitteln zu fördern gerade in einem jungen Lande die Pflicht der Regierung wäre. Der Bericht Stricklands über Kooperativen in Palästina. Der Sachverständige für Kooperativen der englischen Verwaltung in Indien, Mr. Strickland, wurde, wie bekannt, im letzten Sommer nach Palästina entsendet, um die Lage der Fellachen zu studieren und sowohl Beamte, als auch die Bauern über die Methoden der Kreditgenossenschaften zu instruieren. Sein Bericht ist Ende Dezember 1930 erstattet worden. *) Strickland hat sich seiner Aufgabe mit bewundernswerter Objektivität und Sachkunde entledigt und ist daher den Leistungen der Juden voll gerecht geworden. Der arabische Fellache wird von ihm als sehr intelligent geschildert; es sei kein Grund vorhanden, daß er nicht auf die Stufe der südeuropäischen Bauern gelangen soll. Was ihn hauptsächlich bedrückt, sind die Schulden, die er sehr hoch — von 30 bis 200 Prozent im Jahr — verzinsen muß. Da er nur einen Teil der Zinsen zahlen kann, so hat er keinen Anreiz, seine Landwirtschaft zu verbessern, um einen weiteren Teil zu bezahlen. Eine solche Lage verhindert also jeden Antrieb, und er betreibt deshalb seifie Landwirtschaft in der bekanntprimitiven Weise, mit geringen Erträgen. Mr. Strickland vermeidet es zu sagen, daß die den Fellachen ausbeutenden Wucherer ausschließlich Volksgenossen sind, zumeist Effendis, sowie städtische Geldverleiher und Kaufleute. Die wichtigste Hilfe für den Fellachen wäre die Schaffung von Kreditgenossenschaften, die ihn dazu erziehen müßten, sein Budget in Ordnung zu halten, *) Gov. of Palestine. Report by M. C. Strickland of the Indian Civil Service on the Possibility of Introducing a System of Agricultural Cooperation in Palestine, 1930, S. 51.