Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Die Frage der Einführung einer Einkommensteuer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 209 (sequence 2)
- Language
- German
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müßte man dagegen protestieren. Der Autor analysiert sodann die Ausgaben und kritisiert besonders die Erhöhung des Sicherheitsbudgets um 142.000 Pfund oder 30 Prozent und weist nach, daß die Hauptsteigerung auf die transjordanische Grenzmacht entfällt. Der palästinensische Steuerzahler wird 1930 zweieinhalbmal so viel Steuer für Sicherheit zahlen als 1924. Nach Erörterung der großen produktiven Anlagen, die aus den Budgets Palästinas finanziert worden sind, resümiert der Autor die finanzielle Lage wie folgt: a) Solange die Regierung keine Politik betreiben wird, die den ökonomischen Fortschritt hemmen würde, können keine Defizite von permanentem Charaktef erwartet werden, die die Einführung neuer schwerer Steuern nötig machen könnten. b) Die Einführung neuer Steuern würde hauptsächlich zur Ansammlung weiterer Ueberschüsse führen, was sicherlich wünschenswert, aber keinesfalls dringlich und unaufschiebbar ist. c) Eine Ansammlung von Ueberschüssen wird als Folge des natürlichen Wachstum der Einnahmen* ohnehin entstehen, welches automatisch verknüpft ist mit dem Einströmen jüdischen Kapitals und jüdischer Menschen, ohne daß es nötig wäre, in ungesunder Weise die finanzielle Entwicklung durch Auferlegung neuer Steuern zu forcieren. Sollte die Regierung unbedingt neue Einkommensquellen erschließen wollen, so müßte es möglich sein, zu diesem Zwecke andere Lösungen (als die Einführung der Einkommensteuer) zu finden, welche zu jenem Ziele führen können, ohne das wirtschaftliche Leben des Landes zu gefährden. Der Autor untersucht sodann die Frage der Einführung einer Einkommensteuer. Er bemerkt, daß er kein prinzipieller Gegner derselben ist. Richtig angewendet, stellt sie ja die gerechteste Form der Besteuerung dar. Aber diese ihre richtige Anwendung ist nur uiuter bestimmten Voraussetzungen' möglich, welche von der Stufe der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des betreffenden Landes abhängen. Der Hauptgrund, der gegen die Steuer spricht, ist, daß ein rückständiges Land Anreiz zur Entwicklung und Kapitalzustrom braucht, indeß die Einkommensteuer ein Hemmnis wäre. Der Autor weist auf die Erfahrungen in Irak hin, wo die Einkommensteuer vor einigen Jahren eingeführt wurde und ein Fehlschlag geworden ist. Man erwartete einen Ertrag von 112.500 Pfund. Tatsächlich ergaben die Jahre 1928/29 bloß 28.500 Pfund und auch diese Summe stammt fast nur von Steuerabzügen bei Gehalten der Staats- und Privatbeamten, da Kaufleute keine richtigen Bücher führen. Wenn die in Irak gemachten Erfahrungen auf Palästina angewendet werden, so muß man sagen, daß die Verhältnisse dort anders liegen als in Irak. In Palästina sind von den Einnahmen 1929 (inklusive Eisenbahnen) im Betrag von 2,709.000 Pfund bloß 400.000 bis 450.000 Pfund von der ländlichen Bevölkerung getragen worden, das sind 15 bis 18 Prozent. Davon machte der Zehnte 206.000, die Werko 191.000, Tabak 102.000, Viehtaxe 35.000 Pfund aus. Es ist daher die ländliche Bevölkerung nicht stark belastet, um so mehr, als sie sehr wenig von den Gütern konsumiert, auf denen Zölle liegen. (Diese betrugen im Jahre 1929 833.000 Pfund, also doppelt so viel als die ländlichen Steuern und 42 Prozent der Gesamteingänge, ohne Eisenbahnen. Hier ist jedoch zu bemerken, daß die Johnson-Crossbie-Kommission — siehe Nr. 1/2, Seite 53 — erklärt hat, die städtische Bevölkerung sei in bezug auf Grund-