Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Das reichsdeutsche christliche Element in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 205 (sequence 11)
- Language
- German
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übertragen. Auch dieser Plan Spittlers scheiterte. Aber Schneller blieb in Palästina und wurde der Gründer des Syrischen Waisenhauses, des bedeutendsten evangelischen Missionsunternehmens im Orient.i4) Nachdem dieses schwere Kriegsschäden überwunden hat, umfaßt es heute wieder: 1 Knabenwaisenhaus mit 4 Unteranstalten oder Familien^ 1 Mädchenwaisenhaus (etwa 100 Mädchen), 1 Blindenheim mit etwa 50 Blinden (dazu stiftete 1901 Dr. Graf von Münnich sein Vermögen, 700.000 Mark). Ferner: 1 Lehrerseminar, eine eigene Kirche und Schulen und eine umfassende Industrieanstalt, teils zur beruflichen Ausbildung der Zöglinge, teils zur Beisteuer an den Anstaltskosten (Schneiderei, Schusterei, Bäckerei, Dampfmühle, Dampfziegelei, Schreinerei mit Drechslerei, Schmiede und Maschinen'schlosserei, Buchdruckerei, Töpfereis Blindenindustrie). Ueber 300 Kinder erhalten dort gründliche Lebensschulung. Rund 40 Deutsche sind beschäftigt. Ein Zweighaus, das „Galiläische Waisenhaus", besteht in Nazareth (28 Kinder, rund 40 Hektar Grundbesitz). Die dem Waisenhaus angegliederte landwirtschaftliche Siedlung Bir Salem bei Ramleh (mit einem Waisenhaus) ist wegen ihrer mustergültigen Orangenanlagen weitbekannt (rund 340 Hektar Grundbesitz). (Zeitschrift des S. Waisenhauses: „Der Bote aus Zion".) 1851 kamen unter eigener Führung von Pastor Fliedner die ersten deutschen Diakonissen nach Palästina. Ihr Hospital mit drei deutschen Aerzten zählt zu den besteingerichteten des Landes. Es wird von Schwester Theodora Barkhausen geleitet. Es konnte seine Vorkriegsbedeutung längst wieder erringen. 1926 wurden 888 Patienten behandelt. Es bietet für etwa 60 Kranke Platz (3 Abteilungen: innere, gynäkologische, chirurgische). Das Mädchenwaisenhaus der Kaiserswerther Diakonissen, Talitha kumi, an dem über 50 Jahre Schwester Charlotte Pilz wirkte, bietet bis zu 140 Mädchen zu gleicher Zeit eine Heimat. Jerusalem ist die Keimzelle geworden für die ganze Orientarbeit der Kaiserswerther Schwestern, die in Haifa und in Betlehem bei Jerusalem Gemeindearbeit leisten. Auf Veranlassung des Freiherrn von Keffenbrink-Ascheraden und seiner Frau konnte 1868 in Jerusalem ein Heim für Aussätzige eröffnet werden, das 20 Jahre später durch einen schönen Neubau auf der deutschen Kolonie ersetzt werden konnte. Die deutsche Herrnhuter Brüdergemeinde betreute dieses Heim. Das Heim blieb auch während des Krieges in deutschen Händen. Seit 1922 ist seine Verwaltung un'd Finanzierung an den englischen Zweig der Brüdergemeinde übergegangen, während die Schwestern nach wie vor aus Deutschland kommen. Das Heim kann bis zu 60 Aussätzige aufnehmen. Die Zahl der Kranken schwankt zwischen 30 und 40 (im ganzen Lande schätzt man die Zahl der Aussätzigen noch auf etwa 100). In Betlehem in Judäa missioniert der deutsche Jerusalemverein unter den Arabern. Er besitzt dort die schöne deutsche Weihnachtskirche, eine Schule, ein Missionshaus, Schwesternhaus, Wohnhaus des Pfarrers, Kindergarten und Turnplatz. Der Verein arbeitet auch in Bethsahur und in Betdschala. Dieser Verein wurde von dem Bruder Christoph Hoffmanns, des Gründers der Tempelgesellschaft, gegründet, von dem Berliner Generalsuperintendenten Wilhelm Hoffmann. Er treibt neben der genannten Arbeit auch Seelsorge in Haifa 14) Vergl. Vater Schneller. Von Ludwig Schneller. Leipzig, 1925.