Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Das reichsdeutsche christliche Element in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 204 (sequence 10)
- Language
- German
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lichkeit gegen die europäischen Staaten genötigt werden können, die ihm ihren Beistand geliehen hatten. Die Kreuzfahrerträume hätten damals verwirklicht werden können. Fr. Wilhelm war der einzige, der dahingehende Anstrengungen machte. Er plante eine gemeinsame Garnison der christlichen Großstaaten in Jerusalem zum Schutze des Christentums. Von dem ganzen Plane ließ sich aber nicht mehr verwirklichen als -sin Vertrag über die Errichtung eines deutsch-englischen, protestantischen Bistums in Jerusalem (1841), der England unverständlich viel Vornechte einräumte und Preußen eigentlich nur in der Finanzierung gleichberechtigte. Die Preußische Kirche wurde sogar im Vertrag als „less perfectly constituted" (weniger vollkommen) eingerichtet) bezeichnet! Dieser Bistumsvertragn) mit der katholisierenden Church of England, der in Deutschland wenig Sympathien fand, hatte zunächst nichts mit dem Deutschtum in Palästina zu tun, zumal der erste Bischof, der gütige, englische Judenchrist Prof. M. Salomon Alexander (geb. in der Provinz Posen), von England ernannt wurde. Bischof Alexander starb aber schon 1845. Sein von König Friedrich Wilhelm ernannter Nachfolger war der Schweizer Samuel Gobat12), ein weitgereister, hochgebildeter Mann, ein gründlicher Kenner des Orients. Dieser achtunggebietende Patriarch wirkte 33 Jahre in Jerusalem (bis 1879) und man darf wohl sagen, daß er für alle Zweige evangelischer Arbeit im Heiligen Lande den Boden bearbeitete. Gerufen und gefördert von ihm, zogen nach und nach evangelische Deutsche in Jerusalem ein. Gobat hat die Arbeit der deutschen Mission mitbegründet. Unter ihm ist eine evangelische Gemeinde entstanden, der erste Pfarrer berufen, die erste Schule begründet worden. 45 Jahre nach seiner Gründung hörte das Bistum wieder auf zu bestehen. Die deutsche evangelische Gemeinde aber und ihre großen Anstalten blieben. Gobat hat es verlstjanden, in England und in Deutschland „bestimmte Kreise zur Unterstützung der Mission oder zu selbständiger Arbeit unter seiner Leitung zu gewinnen".i3) Zunächst einmal den in evangelischen Kreisen Deutschlands wohlbekannten Pilgervater Spittler, den Vorsteher des kleinen Brüderhauses St. Chrischona bei Basel, wo Missionare, vorwiegend Handwerker, für eine Mission unter Christen ausgebildet wurden. Als Gobat, den Spittler kannte, bischof von Jerusalem wurde, beschloß Spittler, in Jerusalem ein Brüderhaus zu einrichten, in dem einige „Brüder"j die selbst für ihren Unterhalt sorgen mußten, das Vorbild einer christlichen Gemeinschaft geben sollten. Durch dieses Brüderhaus kamen vier Männer nach Jerusalem, deren Namen aus der Geschichte des evangelischen Deutschtums nicht wegzudenken wären: Schick, Palmer, Müller und Baldensperger. Als das Brüderhaus aufhören mußte (äußerer Schwierigkeiten wegen), wollte Spittler schließlich eine Apostelstraße nach Abessinien schaffen, in der Art, daß zwischen Jerusalem und Abessinien 12 Missionsstationen errichtet werden sollten. Die Missionare sollten in einem neuen Bruderhaus ausgebildet werden. Die Leitung dieses Hauses wurde dem Schwaben Ludwig Schneller n) Vergl. hierzu: „Das Evangelische Bistum in Jerusalem", Geschichtliche Darlegungen mit Urkunden, Berlin, 1842. 12) Vergl. Samuel Gobat, evangelischer Bischof in Jerusalem. Sein Leben und Werk, meist nach seinen eigenen Aufzeichnungen. Basel, 1884. 13) Geschichte der Deutschen evangelischen Kirche und Mission im Heiligen Lande, Gütersloh, 1898.