Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Das reichsdeutsche christliche Element in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 203 (sequence 9)
- Language
- German
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Inflation erlitt die Kasse des Vereines der Tempelgesellschaft beträchtlichen 203 Schaden (Entwertung des türkischen Pfundes und der Wertpapiere, Schuldenrückzahlungen und Einlagen in Inflationsgeld). Die Sanierung gelang auf folgender Grundlage: Alle Vorkriegsguthaben (Stichtag 1. 7. 1916) wurden abzüglich 8 Prozent voll bewertet. Ein- und Auszahlungen im zweiten Halbjahr 1916 wurden zu 85 Prozent bewertet, ab 1. 1. 1917 zu 65 Prozent. Guthaben gegenüber der Kasse aus Papiergeldeinzahlungen vom 1. 1. 1917 an wurden zu 25 Prozent berechnet. Die Zinsberechnung unterblieb für die Jahre 1918 bis 1920. Nach den Gesetzen der Landesregierung wujrde die Kasse 1921 in eine Limited Co., The Temple Society Central Fund, verwandelt. Ihre Geldmittel erreichen den Vorkriegsstand nicht. Die Aktien befinden sich in den Händen der Zentralleitung der Tempelgesellschaft. Jedes eingetragene Mitglied (etwa 680) der Gesellschaft ist verpflichtet, einen jährlichen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen, dessen Höhe durch Beschluß der Mitglieder - Hauptversammlung festgelegt wird, welcher der aus sechs Persdnen bestehende ehrenamtliche Vorstand verantwortlich ist. Die Zentlralkasse der T. G. Ltd. besorgt auch die Verwaltung der Nebenkassen der T. G., wie Haushalt der T. G., „Warte des Tempels", Lyzeum Tempelstift, Deutsches Krankenhaus Jaffa, Armen-, Witwen- und Waisenkassen, usw. 1924 wurde mit einem Aktienkapital von 10.000 ägypt. Pfund, in Jaffa die „Bank der T. G. Ltd." gegründet (51 Prozent des 'Kapfitais von der Zentralkasse der T. G., 49 Prozent von einzelnen Mitgliedern). Schon im selben Jahr konnte die Bank Filialen in Haifa und Jerusalem einrichten. Das Direktorium und die geschäftsführenden Direktoren gehören der T. G. an. Ein besonderer Zweig der Bank befaßt sich mit der Organisation des Orangenexports. Die bedeutsame Entwicklung der von allen Schichten benutzten Bank machte längst eine Erhöhung des Aktienkapitals nötig. In allen deutschen Kolonien herrscht reges geistiges Leben. Größter Wert ist auf gute Schulen gelegt. Die mit einem Internat verbundene höhere deutsche Schule auf der Tempelkolonie Jerusalem (die früher eine Zeitlang mit der höheren Schule der evangelischen Gemeinde in Jerusalem vereinigt war), die höhere deutsche Schule in Jaffa, die gehobenen Volksschulen in Haifa, Wilhelma, Betlehem, Waldheim, sind Stätten ernster deutscher Erziehungsarbeit.10) Das geistige und gesellige Leben wird auf allen Kolonien durch eifrig tätige Vereine (Deutsche Vereine, Männerchöre, gemischte Chöre, Lesevereine, Sportvereine, Frauenvereine) gefördert. * Neben diesem bodenständigen, kolonisatorischen Element der schwäbischen Templer ist das Deutschtum in Palästina durch eine stattliche Anzahl von evangelischen und katholischen Stätten des Glaubens und der Liebe vertreten. Die Geschichte des evangelischen Deutschtums beginnt mit einem romantischen Plan König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen. Niemals hatten die europäischen Mächte Palästina so sehr in der Hand wie damals, als Ibrahim Pascha aus Palästina gedrängt wurde. Damals hätte der Sultan zur Erkennt- 10) Vergleiche die demnächst erscheinende Sondernummer „Palästina" der „Deutschen Schule im Ausland" (Wojfenbüttel): bearbeitet von K. Götz.