Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Das reichsdeutsche christliche Element in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 199 (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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Markung Bet Lahem (Josua 19, 15) westlich von Nazareth erwerben, auf der heute die Kolonie Bethlehem steht. 1874 hatte sich der verschlossen herbe, einsam gewordene Hardegg wegen tiefliegender Verschiedenheiten des Geistes und nach weit zurückliegenden Streitigkeiten von Hoffmann getrennt, dem dann die Gesamtleitung der Tempelgesellschaft übertragen wurde. Durch Hoffmanns „Sendschreiben" (1879), in denen er das Dogma und die Sakramente ablehnte, und dtfrch seine immer größer werdende religiöse Freisinnigkeit vergrößerte sich die Kluft. 1878 sagten sich in Haifa elf Familien von der Tempelgesellschaft los. Der größere Teil von ihnen schloß sich 1886 an die preußische Landeskirche an. Der deutsche Jerusalemverein stellte dem wieder kirchlich gewordenen, sich langsam vergrößernden Teil der Gemeinde Haifa von 1893 an ständig einen Geistlichen. Die „landeskirchlichen" Söhne jener im Gefolge Hardeggs seinerzeit abgesplitterten Familien grünjdeten 1907 dicht neben der templerischen Kolonie Bethlehem auf der Markung Um el Ahmed (720 Hektar um 270.000 Franken) die Kolonie Waldheim, die geistlich von Haifa aus versorgt wird2) (eigenes Kirchlein). In den städtischen Kolonien blühte deutsches Handwerk, deutsches Gewerbe, ehrbarer deutscher Handel und deutsche Industrie. Die landwirtschaftlichen Kolonien wurden als Mustersiedlungen weithin geschätzt. Mit de<i arabischen Mitbewohnern (die auf allen Kolonien Beschäftigung fanden) herrschte wie auch mit den jüdischen Kolonisten und Geschäftsleuten bis zum heutigen Tag bestes Einvernehmen. Da brachte der Krieg eine schwere Belastungsprobe. Der größere Teil der jüngeren Kolonisten (286 Mann) stellte sich dem Vaterland an den europäischen Fronten oder an der Palästinafront zur Verfügung. 33 von ihnen sind nicht heimgekehrt. Nach dem Durchbruch der deutsch - türkischen Front in Palästina und der Besetzung des Landes durch die Engländer wurden die Kolonien Jerusalem, Jaffa, Walhalla und Wilhelma evakuiert. Ueber 800 Bewohner derselben wurden bis 1920 in Aegypten interniert. 3) Etwa 300 Personen waren 1920 noch nach Deutschland gefahren, wo sie in der Palästinagemeinschaft Mergentheim die Rückkehr in die Kolonien erwarteten, die am 19. Juli 1920 in Anerkennung der kolonisatorischen Verdienste und nach mancherlei Interventionen allen Internierten oder Ausgewiesenen gewährt wurde. Der deutsche* Besitz war von einem Public Custodian (Mr. Keith-Roach) verwaltet worden. Die Haltung der Regierung war korrekt und nicht unfreundlich. Trotzdem mußte überall neu aufgebaut werden. Die meisten Unternehmungen haben ihren Vorkriegsstand wieder erreicht. Haifa hat (Stand vom Jänner 1927) 4) einschließlich der deutschen Besitzungen 2) Vgl. H. Moderow: „Deutsches evangelisches Leben am Karmel", Potsdam, 16 Seiten. 3) Vgl. Otto König: „Die Deutschen Palästinas in englischer Gefangenschaft", 77 Seiten. — R. de Haas: „Der Orangenpflanzer von Sarona", Reutlingen 1930. 4) Nach Th. Fast: „Zur Statistik des Deutschtums in Palästina" in „Zeitschrift des Deutschen Palästinavereins", 1924/3.