Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Das reichsdeutsche christliche Element in Palästina
Date
1931-05-01
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2379786-2379892-2379896-2393317--12093-2393585
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

schon 1873 glich die Siedlung nach einem Bericht Prof. Sepps, des Nestors der Orientforschung, einem deutschen, wohlgeordneten Dorf. Die Kolonie wurde planmäßig und großzügig am Karmel hinauf angelegt. Im Westen der Kolonie hatten die Bauern auf der Dorfflur Tireh etwa 400 Jucharten Lan4 erwerben können (die Jucharte für 3 inis 4 Napoleons). Heu zu der ihnen ungewöhnlichen Stallfütterung holten sie fünf Stunden weit entfernt auf einem rund 100 Jucharten großen Areal in der Jesreelebene. Die Weinberge, die sie am Karmel hinauf angelegt hatten, fielen anfangs des Jahrhunderts der Reblaus zum Opfer. Niemand, der die Verhältnisse kannte, glaubte an irgendeinen kolonisatorischen Erfolg. Aber die schwäbischen Kolonisten legten die Hand an den Pflug und arbeiteten, wie sie es von ihrer kargen schwäbischen Scholle her gewohnt waren. In zähem Fleiß, bei größter Anspruchslosigkeit, in heldenhafter Hingabe an ein verseuchtes Brachland schufen sich diese Templer ihre Kolonien. Schon im Jahre 1869 konnte in Jaffa ein verunglücktes amerikanisches Missionsunternehmen gekauft werden. Während Hardegg die Leitung der Kolonie Haifa behielt, übernahm Hoffmann die Führung der neuen Kolonie. 1871 wurde die landwirtschaftliche Kolonie Sarona gegründet. Das war der schwerste Anfang. Allein im Oktober 1872 starben von 125 Ansiedlern 28. Aber die Kolonisten harrten aus, auch nachdem über die Hälfte von ihnen unter der Erde lag. Auch unter den Mitgliedern der Tempelgesellschaft in Jerusalem machte sich bald das Bedürfnis nach einer eigenen Siedlung bemerkbar. So wurde 1872 die Kolonie Rephaim bei Jerusalem gegründet. Alle Kräfte mußten zum Ausbau der vier Stammkolonien verwendet werden. Größter Wert wurde, wie auch heute noch, auf gute Schulen gelegt. Da auch für sie, wie für die ganze übrige Arbeit von allem Anfang an keinerlei fremde Hilfe zur Verfügung stand, überstiegen die Schulsteuern, wie die öffentlichen Gemeindesteuern überhaupt, alle gewohnten Maße und erforderten einen außerordentlich starken Opfersinn für das Gemeinwohl. Die Straßen Palästina^ waren damals in einem trostlosen Zustand. So war zum Beispiel allein die Kolonie Haifa genötigt, auf eigene, Kosten bis 1890 über 50 Kilometer Straßen bauen zu lassen. Daneben mußte jeder Siedler aber auch an den Ausbau der eigenen Wirtschaft denken. Aber in zäher Ausdauer ging es vorwärts. 1892 konnten zwei neue Niederlassungen gegründet werden: Das heute mit Jaffa verschmolzene Walhalla und Neuhardthof bei Haifa. Durch die Reise des deutschen Kaisers 1), 1898, nach Palästina wurden weite Kreise auf das Palästina deutsch tum aufmerksam. Die Landnot der Jugend wurde bekannt und die Unmöglichkeit, bei dem Mangel eines zuverlässigen Hypothekarrechts Darlehen zu bekommen. Auf Anregung des Freiherrn von Ellrichshausen wurde 1899 in Stuttgart eine „Gesellschaft zur Förderung der deutschen Ansiedlungen in Palästina" gegründet, die unter der Leitung des Fürsten K. von Urach stand. Mit Hilfe pünktlich amortisierter Darlehen dieser längst aufgelösten Gesellschaft konnten 1902 in der Näfhe von Lydda und der Jaffa-Jerusalemstraße acht Quadratkilometer Land erworben werden, auf dem Wilhelma erstand. 1906 konnten die Söhne der Haifaer Kolonisten für 130.000 Franken die 3) Vgl. Frhr. v. Mirbach: „Das deutsche Kaiserpaar im Heiligen Land", 1899 Berlin — L. Schneller: „Die Kaiserfahrt durchs Heilige Land", 1900 Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.