Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Kolonisation im Bergland
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 180 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn wir jedoch diese beiden Gründe im Lichte der wirklichen Situation untersuchen, so finden wir, daß sie keinerlei Berechtigung haben. Denn was die Vorbereitung des Bodens für die Pflanzungen anlangt, so entsteht hier sofort die Frage: was ist mit den Hunderttausenden von Dunam, die keinerlei vorheriger Vorbereitung bedürfen und wo die Pflanzungen sofort angelegt werden können? Man kann ja doch dieselben Höhen, Terrassen und Wadis, die jetzt ihre ärmliche Weizen- und Gerstenernte bringen, leicht mit Fruchtbäumen bepflanzen, ohne daß es dazu besonderer Kapitalien bedarf. Selbst wenn wir unterstellen, daß für diese Pflanzung Arbeit und auch Boden Vorbereitung erforderlich ist, so erfordert das alles doch von dem Fellachen keine Geldmittel, die er ja in der Tat nicht besitzt, sondern Arbeitskräfte, die er in sehr großem Umfange besitzt und die jetzt einfach verschwendet werden. Denn wenn Simpson vom Hörensagen über den Fellachen urteilt, er sei nicht faul, so können wir, die wir den Fellachen von gemeinsamer Arbeit in Feld- und Weinberg her gut kennen, sagen, daß dieses Zeugnis nicht ganz richtig ist. Man kann alles Gute über den Fellachen sagen: er ist klug, ehrlich, friedliebend, höflich, gastfrei, usw. Aber eine Sache fehlt ihm: Liebe zur Arbeit. Der Fellache leistet schwere Arbeit, gewissermaßen Zwangsarbeit, aber nur in dem Umfange, als ihn der Hunger heute oder morgen zur Arbeit zwingt und nur soweit, als er die Frucht seiner Arbeit unmittelbar vor sich sieht. Niemals jedoch arbeitet er für die Zukunft, auch nicht für seine Zukunft, und niemals wird er eine Arbeit machen, die ihm nur indirekt Früchte trägt. Der Fellache wird zwei oder drei Stunden gehen, um irgend ein kleines Bodenstück einzuzäunen und zu besäen, weil er in einigen Monaten dort ernten zu können glaubt, aber niemals wird er das Unkraut aus irgendeinem neben seinem Weinberg gelegenen Bodenstück ausjäten und es so für die Aussaat vorbereiten, sondern er wird Unkraut nur in dem Umfange ausrotten, als er seiner für seinen Kalkofen bedarf. Auf diese Weise werden uns viele merkwürdige Erscheinungen klar, die wir im Hause des Fellachen und in seiner Umgebung antreffen, wie den Mangel an Schmnckbäumen, die schlechten Straßen innerhalb der Dörfer und in ihrer Umgebung usw. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb der Fellache so viele Tage untätig auf seinem Misthaufen sitzt, da ja die mit dem Getreidebau verbundenen Arbeiten bei ihm nur aus Pflügen, Säen, Ernten und Dreschen bestehen. Da nun diese Arbeiten an bestimmte Jahreszeiten gebunden sind, so ist der Fei-