Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Aussichten des Kurortewesens in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
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170 pöanzungen3 Baulichkeiten zu schaffen, wird Tel-Aviv auch eine Zukunft als internationaler Mittelmeerkurort gewinnen können. Wie das oft so ist: Besteht eine gewisse Basis für einen Kurort, so finden sich noch neue Kurmittel. Weintrauben gibt es an vielen Orten in Fülle und doch geht man zur Traubenkur nach Meran. So hat Palästina seine Orangen, deren medizinisches Anwendungsgebiet ungefähr dem der Weintraube, die hier erst im Hochsommer reift, entspricht. Rings um Tel-Aviv erstrecken sich herrliche Orangenpflanzungen, die dem Auge die südliche Ueppigkeit, die der Küste selbst fehlt, schenken. Frische, Güte und Billigkeit der Frucht geben mit Selbstverständlichkeit eine Möglichkeit zu solchen Kuren, wie sie anderswo nicht durchgeführt werden können. Enthusiasten nennen die Orange das Symbol des Kurortes Tel-Aviv. Ein Wort noch über Haifa. In seinem Vorort Bat-Galim und südlich davon hat es zwar einen noch schöneren Strand als Tel-Aviv. Theoretisch besteht natürlich auch hier die Möglichkeit eines Seebades und die Gesamtlandschaft mit dem Karmelgebirge ist zweifellos reizvoller als die um Tel-Aviv, aber die Entwicklung Haifas tendiert doch mehr zu einer großen Hafenstadt und seine Zukunft im Rahmen der Kulturmöglichkeiten liegt auf dem Karmel. Als wichtiger klimatischer Winterkurort kommt aber auch Tiberias in Frage. Seine meteorologischen Verhältnisse liegen noch günstiger als die der Küste. Sie wurden schon oben näher charakterisiert. Einzig ist aber seine landschaftliche Lage mitten in den Bergen an dem blauen Kineretsee, über den der bis tief hinunter mit Schnee bedeckte, mächtige Hermon ragt; es ist wohl das schönste Landschaftsbild, das dem Besucher Palästinas im Winter begegnet. Die Hauptbedeutung von Tiberias liegt aber in seinen seit ältesten Zeiten berühmten Thermalquellen, über die ich in dieser Zeitschrift im Jahrgang 1928, Nr. 8/10, bereits ausführlich berichtet habe, weshalb ich hier nicht näher auf ihren Charakter eingehe. Ich habe sie als „erdmuriatische Schwefelkochsalzthermen" bezeichnet und gezeigt, daß sie gewissermaßen eine Kombination der Mineralquellen von Wiesbaden und Aachen, aber mit stärkerer Konzentration ihrer einzelnen Bestandteile, darstellen. Sie werden hauptsächlich zu Badekuren verwendet; ihr Indikationsgebiet ist: in erster Linie alle Formen rheumatischer Erkrankungen und anderer Krankheiten der Bewegungsorgane (außer Tuberkulose), dann Frauen-, Hautkrankheiten, gewisse Nervenkrankheiten u. a. Leider hat sich meine damals ausgesprochene Hoffnung auf einen baldigen modernen Ausbau der Bäder, die sich in einem Zustand befinden,