Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Aussichten des Kurortewesens in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
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die westliche Riviera, die ja die klimatisch günstigste an der ganzen nördlichen Mittelmeerküste ist, darin im Nachteil zu sein, daß die nicht minder beträchtliche Niederschlagsmenge sich dort hauptsächlich auf die Monate Oktober, November und den warmen Frühling verteilt. In Palästina ist die klimatisch günstigste Zeitspanne zwischen dem Nachlassen der Hauptniederschläge und dem Anfang der heißen Jahreszeit gering und fällt nicht so wie an der Riviera mit den kältesten Monaten des nördlicheren Europas zusammen. Hier ist allerdings von optimalen Verhältnissen die Rede. Im ganzen ist das Winterklima Palästinas auch in den regenreicheren Monaten und im November absolut geeignet für jene Kranken, denen während des europäischen Winters eine Erholung im Süden nottut. Der Riviera gegenüber hat es dazu einige entschiedene Vorteile. Es hat nicht seine erhebliche Differenz zwischen Schatten- und Sonnentemperatur, es hat nicht die heftigen Winde, die man zeitweise an manchen Stationen der Riviera findet und nicht die starke Staubentwicklung, die manche ihrer Kurorte sehr beeinträchtigt. Seine Insolation ist stärker. Baruch hat bei Tel- Aviv die Menge der Ultraviolettstrahlenmengen zwei- bis dreimal größer als die von Davos gefunden (die Mittelwerte für Jänner sind in Davos 3,0, in Assuan 12,9). Am strahlungsreichsten ist die Küste dank der Reflexionskraft des Meeres für bestimmte und gerade als heilkräftig erachtete Strahlen. Es wären also, meteorologisch gesehen, genügend Voraussetzungen vorhanden, um den Strand von Tel-Aviv als südlichen Seewinterkurort auszubauen und zu propagieren. Die medizinischen Indikationen wären ungefähr: Stoffwechselkrankheiten, Erschöpfungszustände nach Krankheiten, Nerven- und leichte Lungenerkrankungen usw.; die Erfahrung spricht dafür, daß das Klima Palästinas bei Kreislaufschädigungen günstigen Einfluß hat, insbesondere bei Zuständen mit erhöhtem Blutdruck. Was aber meiner Meinung nach den Dünen von Tel-Aviv fehlt, das ist die Vegetation, die der Riviera einen ihrer Reize gibt; das Meer kann im Norden alles sein, im Süden verlangt es das Gegenspiel einer mannigfaltigen Küstenlandschaft und das ist in Palästina nur in bescheidenem Maße gegeben. Tel-Aviv selbst ist sicher ein geeignetes „Hinterland" für einen Seekurort, sein kulturelles Niveau und der ganze Reiz dieser einzigen und einzigartigen jüdisch-hebräischen Stadt hat für ein jüdisches internationales Kurpublikum jedenfalls eine sehr große Anziehungskraft und dieser Umstand kann manche anderen Mängel kompensieren. Wenn es seiner Bevölkerung gelingt, die entsprechenden Promenaden, An-