Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Aussichten des Kurortewesens in Palästina
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
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168 während sie in Palästina von denen im nördlichen Mittelmeergebiet wenig differieren. Dementsprechend verhält sich die relative Luftfeuchtigkeit, die zwar in Aegypten auch größeren Tagesschwankungen unterliegt, aber dadurch, daß sie den ganzen Winter tagsüber Werte zwischen 30 und 20 zeigt, dem Klima den Charakter ausgesprochener Trockenheit gibt. Hierin, und das heißt in dem klimatherapeutischen Indikation? jebiet für Nierenkrankheiten, kann also Palästina mit Aegypten nicht konkurrieren, außer vielleicht in der Umgebung des Toten Meeres, die, wie die wenigen Ziffern, die ich über Jericho bringen kann, zeigen, eine sehr geringe Regenmenge hat. Das Tote Meer besitzt auch noch andere wertvolle Heilfaktoren, wie die konzentrierte Sole des Salzmeeres und Schwefelquellen. (Bekanntlich besitzt auch Helouan kalte Schwefelwasserstoffquellen.) Die Araber pflegen wegen rheumatischer Erkrankungen im Toten Meer zu baden. Aber all die Vorzüge geringer Bewölkung, starker Insolation, Regenarmut usw. können nicht ausgenützt werden durch den Mangel größerer menschlichen Siedlungen. Vielleicht, daß die industrielle Ausbeutung des Toten Meeres auch einen jüdischen Jischuw in seine Umgebung bringt, daß man dann allmählich genügend Erfahrungen über die Wirkung seines Klimas auf bestimmte Krankheiten — ich denke dabei auch besonders an Tuberkulose — sammeln und daß es — wenn auch nicht in nächster Zeit — gelingen wird, einen tropischen Klimakurort von wirklicher Bedeutung an dieser tiefsten Stelle der Erdoberfläche, über die die Romantik von Natur, Legende und Geschichte lagert, zu schaffen. Die Möglichkeit ist gegeben. Wenn auch entsprechend der größeren Niederschlagsmenge die relative Luftfeuchtigkeit in Palästina sonst im Durchschnitt viel höher als in Aegypten ist, zeigt sie doch absolut günstige Werte und bewegt sich an den regenfreien Tagen des Winters in Tiberias zwischen 50 und 70; an der Küste ist sie wegen der Nähe des Meeres immer etwas höher. Die Regengüsse fallen hauptsächlich in den Monaten Dezember bis Februar; die Zahl der schweren Regentage, an denen man das Haus nicht verlassen kann, ist aber gering und einer Reihe von regnerischen und bewölkten*) Tagen pflegt eine größere sonniger, wolkenloser zu folgen. Ist so auch die Regenzeit nicht schlimm, so scheint mir doch Palästina gegen *) Nach Zahlen von Baruch gibt es von Tagen, in denen vier Fünftel des Himmels bedeckt sind, im Mittel von Tel-Aviv: im November 0, im Dezember 5, im Jänner 6, im Februar 5, im März 2.