Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arjeh Tartakower, Lodz.
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 4)
- Language
- German
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abzustufen wäre. Der Beschluß der Leitung der „Tenuvah" den zweiten Weg zu wählen, wird von den Anhängern der alten Richtung heftig bekämpft, unter Berufung darauf, daß man den mehr abliefernden, also reicheren Wirtschafte« keine Privilegien gewähren dürfe und daß eine derartige Berechnungsweise überdies den Interessen derjenigen Wirtschaften abträglich werden könnte, deren einzelne Produkte (z. B. Se&zünge) vorläufig durch die „Tenuvah" nicht abgesetzt werden, während sie anderseits Wirtschaften, die sich gerade in einem einzigen hochwertigen Produkt spezialisieren, nicht berechtigte Vorteile verschaffe. Ferner wird die im neuen Statutenentwurf vorgesehene weitgehende Autonomie der „Tenuvah" bekämpft und eine unmittelbare Ankgliederung und Unterordnung unter die Arbeiterorganisation verlangt, um einer eventuellen kapitalistischen Entartung der Kooperative (z. B. Nichtaufnahme neuer Mitglieder) vorzubeugen. Schließlich wird auch im Gegensatz zu den {gegenwärtigen Tendenzen in der Leitung der „Tenuvah", die bereit ist, sämtliche auf jüdischer Arbeit basierenden Wirtschaften in den Kreis ihrer Tätigkeit hineinzuziehen, verlangt, sich bloß auf die Arbeiterwirtschaften zu beschränken, um den Klassencharakter der Genossenschaft zu wahren. Es ist gegenwärtig nicht möglich, über den Ausgang dieses Meinungskampfes irgendwelche Prophezeihungen anzustellen, trotzdem gerade im gegenV wärtigen Augenblick die Anhänger des „alten Kurses" innerhalb der Genossenschaft in der Minderheit geblieben sind. Ueber das soziale Schicksal der „Tenuvah" wird schließlich und endlich nicht bloß ihre -Mitgliedschaft, sondern die gesamte Arbeiterschaft zu entscheiden haben, die eben jetzt in diese Auseinandersetzung mit hineingezogen wird. Die Frage dürfte schließlich vor ein weiteres Forum innerhalb der Histadruth kommen, wobei auch die Rücksichten auf die wirtschaftliche Entwicklung der Kooperative als eines der Kriterien mit herangezogen werden sollten. 3. Zum Jubiläum der Vaadat Tarbut. Zugleich mit der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas feierte vor kurzer Zeit auch das Kulturamt der Histadruth, das fast gleichzeitig mit ihr begründet worden ist, das Jubiläum seiner zehnjährigen Existenz. Die Entwicklung dieser Institution, die im Rahmen der einzigartigen sozialen Versuche der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina sicherlich eines der bedeutsamsten darstellt, verdient nicht nur infolge ihrer quantitativen Ausbreitung eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Stellt sie doch mit ihren vielen Tausenden Schülern und Zöglingen, mit ihren Bibliotheken, ihrem Verlagswesen und sogar ihrer künstlerischen Tätigkeit sicherlich den bedeutendsten Apparat auf diesem Gebiete im Lande dar. Vielmehr kommt der besondere Charakter ihrer Tätigkeit in Betracht, durch den sie sich der sozialen Bedeutung des jüdischen Arbeiterwerks in Palästina anzupassen sucht. In drei Richtungen ging diese Tätigkeit bis zum heutigen Tag. Es handelte sich erstens darum, -die immfer größer werdenden Scharen der neuen Arbeiter-Einwanderer, von denen viele, der hebräischen Sprache nicht mächtig waren, kulturell zusammenzufassen, ihnen die Kenntnis der Sprache, •der Literatur und der Landeskunde beizubringen, ihnen Bücher zu verschaffen und den Kontakt zwischen ihnen und dem allgemeinSen Geistes- und Kulturleben der Menschheit herzustellen. Die zweite Aufgabe, die es gerade der älteren Arbeiterschaft gegenüber zu erfüllen gab, war die, für eine Erziehung