Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arjeh Tartakower, Lodz.
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 140 (sequence 3)
- Language
- German
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dem neuen Vaad Leumi zu übertragen (ohne freilich, was übrigens gar nicht beabsichtigt war, die Revisionisten damit zufriedenzustellen) und bei der Wahl für diesen, der Stellung der kleinen Fraktionen im weitesten Maße gerecht zu werden. In der Frage der Uebertragung des Erziehungswesens mußte wiederum ein Kompromiß mit der allgemeinen Lehrerschaft (die Lehrerschaft in den Erziehungsanstalten der Arbeiterschaft stellte sich da von vornherein auf den Standpunkt der Arbeiterpartei) gesucht werden, die sich entschieden gegen die sofortige Uebertragung wandte und auch da gelang es, allerdings um den Preis der Verschleppung der ganzen Angelegenheit, einen provisorischen Ausweg zu finden. Viel Ueberwindung verlangte auch die Erledigung der religiösen Angelegenheiten, wo die Arbeiterschaft bei aller Zurückweisung der extremen, hart an Klerikalismus grenzenden Forderungen doch (mit wenigen Ausnahmen) weitgehende Rücksicht nahm auf diejenigen Kreise des Jischub, für die derartige Angelegenheiten noch immer eine überaus wichtige Rolle in ihrem Leben spielen. Selbst bei der Zusammensetzung des Vaad Leumi, der Exekutive des neuen Nationalrats, verzichtete die Arbeiterschaft auf die ihr gebührende Majorität (sie hat bloß drei Plätze der Gesamtzahl von sieben) um nur eine weitere reibungslose Arbeit zu ermöglichen, was nach dem Ausscheiden der Revisionisten von um so größerer Bedeutung sein muß. Wie weit dieses von einem überaus großen Maß von Verantwortungsgefühl und politischer Klugheit zeugende Verhalten der Arbeitervertreter auf die weitere Gestaltung der Dinge von Einfluß sein wird, bleibt freilich noch abzuwarten, um so mehr als es auch innerhalb des Vaad Leumi der Schwierigkeiten genug geben wird. 2. Von der sozialen Problematik der „Tenuvah". Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Absatzkooperative der jüdischen Arbeiterschaft „Tenuvah", die immer mehr fortschreitet und einen weiteren bedeutsamen Versuch darstellt, die Grundlagen der Arbeiterwirtschaft durch Befreiung vom Absatzvermittlertum zu festigen, mußte notgedrungen, nachdem die erste Periode der wirtschaftlichen Fundierung der Genossenschaft einmal glücklich vorbei war, zu einer ziemlich komplizierten Auseinandersetzung über ihren sozialen Charakter führen. War es innerhalb der Arbeiterwirtschaften infolge ihrer in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ziemlich weit fortgeschrittenen Autarkie ohne besondere Schwierigkeiten möglich, neue Formen von Zusammenleben und Zusammenarbeiten zu finden, so mußten derartige Versuche bei einer ganz auf Absatz, also auf ununterbrochenen Kontakt mit der normalen kapitalistischen Wirtschaft eingestellten Genossenschaft, naturgemäß auf viele Hindernisse stoßen. Will man den inneren Meinungskampf in der „Tenuvah", der im gegenwärtigen Augenblick ausgefochten wird, gewissermaßen schlagwortartig erfassen, so könnte man ihn als den Kampf zwischen der überlieferten, auf entschlossene soziale Versuche eingestellten Denkungsart der palästinensischen Arbeiterschaft und neuen^ der Wirtschaftsweise der Absatzgenjossenschaften in anderen Ländern mehr angepaßten Methoden bezeichnen, die letztens in der Tätigkeit der „Tenuvah" immer mehr hervortreten. Es handelt sich erstens darum, ob das Stimmrecht in der Genossenschaft für alle Mitglieder gleich oder — was vom wirtschaftlichen Standpunkt aus wohl das zweckmäßigere ist — nach dem Maß der zum Absatz gelieferten Produkte, also der Inanspruchnahme der Genossenschaft