Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arjeh Tartakower, Lodz.
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 2)
- Language
- German
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betrat indeß diesen Weg nicht, da sie sich ihrer Verantwortung als des führenden Faktors innerhalb des jüdischen Gemeinwesens Palästinas bewußt blieb und es ganz gut verstand, daß es mehr darum gehe, die anderen Gruppierungen durch eine kluge und vorsichtige Politik um sich zu konzentrieren, als sie durch eine Majorisierung in allen entscheidenden Fragen von der Nationalversammlung abzustoßen, was angesichts der ohnehin proklamierten Nichtbeteiligung mancher Kreise des neuen Jischub (der alte kam in seiner überwiegenden Mehrheit angesichts der Stellung der Agudas Isroel von vornherein wohl kaum in Betracht), in erster Reihe der Kolonisten, zum Teil auch der IndustrieHen, ein Chaos in Palästina herbeizuführen geeignet wäre. Von der entscheidenden Auseinandersetzung mit den Revisionisten etwa abgesehen, auf die es der Arbeiterschaft nach dem erbittertem Wahlkampf geradezu ankam, wurde von vornherein der Weg einer Verständigung mit allen anderen Gruppierungen gesucht und zum großen Teil schließlich auch gefunden. Den Auftakt zur Stellung der Arbeiterschaft in der Asefat Hanivcharim bedeutete die Tagung des Rats der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas, die in Tel-Aviv am 5. Februar d. J. zusammentrat und in der Hauptsache den Fragen der Asefat Hanivcharim gewidmet war. In dieser Tagung wurde klipp und klar die Notwendigkeit einer Koalition mit dem zionistischen Zentrum in der Asefat Hanivcharim betont und gleichzeitig in großen Strichen die Politik der Arbeiterschaft innerhalb der A. H. festgesetzt« Es wurde festgestellt, daß die A. Ii. keine selbständige politische Arbeit führen dürfe, da dies zu den Prärogativen der Jewish Agency gehöre. Dagegen sei es ihre Aufgabe, die Demokratisierung des öffentlichen Lebens in Palästina^ sowie die Wahrung der »Rechte der jüdischen Bevölkerung anzustreben, worunter insbesondere das Recht auf proportionellen Anteil an den öffentlichen Arbeiten der Regierung und der Munizipalverwaltungen, Schutz der Rechte des jüdischen Steuerzahlers und Abschaffung der nationalen Kurien bej den Wahlen zu den Stadtverwaltungen zu verstehen sei. Es müsse außerdem von der Regierung ein entsprechender Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung und von der Knesset Israel die Regelung der Arbeitsbeziehungen gefördert werden. Entsprechende Sotrgfalt sei dem Ausbau und der Regulierung der Sozialpolitik und des Wohlfahrtswesens zu widmen. Das Gesundheits-, sowie das Erziehungswesen sei von der Jewish Agency auf die Knesset Israel hinüberzuführen, deren Ausgaben durch ein progressives Steuersystem zu decken wären. Diese Beschlüsse dienten nun der Arbeiterschaft als Richtschnur bei ihrem Auftreten in der Asefat Hanivcliarim und wenngleich es ganz natürlich war, daß ihre (übrigens nicht nur zahlenmäßige, sondern zum großen Teil auch qualitative) Präponderanz nach außenhin wenigstens insofern zum Vorschein kam, als die wichtigsten Referate (zwischen anderen auch das politische und das sozialökonomische) von ihren Vertretern gehalten wurden, so wurde doch in fast allen bedeutenderen Fragen eine Linie des Kompromisses gesucht. Trotz der Bejahung der Grundlinien der gegenwärtigen zionistischen Politik, die bereits durch den Rat der Arbeiterpartei konstatiert wurde und trotz klarer Präzisierung ihrer Stellung auf diesem Gebiet und insbesondere der Notwendigkeit einer jüdisch-arabischen Verständigung, als einer Verständigung von zwei gleichberechtigten Völkern in Palästina, erklärte sich die Arbeiterschaft einverstanden, die Entscheidung über die Stellung des Jischub in diesen Fragen