Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Bodenkauf, Pächterschutz und Siedlungsdichte in Palästina
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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überwechseln. Die Erscheinung der Landflucht besteht allerdings in Palästina ebenso wie in allen anderen modernen und fortgeschrittenen Ländern, obwohl die Industrie in Palästina noch nicht so entwickelt ist, um alle landwirtschaftlichen Arbeiter aufnehmen zu können. Arbeiten beim Häuserbau, neue Systeme des Straßenbaues und des Warentransports, besonders auch die sehr entwickelte Touristenbewegung — geben den Arabern vielfache Möglichkeiten, sieh in den Städten eine Existenz aufzubauen, die für sie erheblich gewinnbringender ist, als das Leben in den Dörfern. Ferner gibt die Regierung vielen Arbeitsmöglichkeiten bei der Eisenbahn, beim Straßen- und Telephonbau, neuerdings beim Hafenbau und ähnliches. Und selbst wenn die Arbeitslöhne, die die Regierung bezahlt, niedriger sind, als z. B. bei europäischen Arbeitern, ziehen viele Fellachen trotzdem diese Löhne dem Einkommen aus landwirtschaftlicher Arbeit vor, weil ihnen bei Regierungsarbeiten einerseits feste tägliche Einkünfte gesichert sind, andererseits die zahlreichen Verlustmöglichkeiten durch schlechte Ernten und andere Momente ausgeschaltet werden und sie vor allen Dingen von dem dauernden Druck der Effendis befreit sind. Zwar ist immer noch die wirtschaftliche Situation der Fellachen nicht beneidenswert, es wäre aber töricht, die Ursachen dafür in Bodenkäufen und landwirtschaftlicher Siedlung der Juden zu suchen. Man kann zahlreiche Beweise dafür anbringen, daß die jüdische Siedlung die Situation der Fellachen in vielen Beziehungen verbessert hat. Die verschiedensten anderen Faktoren sind für die Lage der Fellachen maßgebend. Es gibt viele Momente, die unter der englischen Verwaltung die Situation der Fellachen in einer Weise verbessert haben, wie sie es zur Türkenzeit sich niemals hätten träumen lassen. Hierzu gehört vor allem die Aufhebung des Heeresdienstes, der den Bauernfamilien ihre frischesten Kräfte für viele Jahre entzog. Und selbst die, die sich aus dem Heeresdienst retten konnten und nach Hause kamen, waren vielfach an Leib und Seele geschädigt. Wer aus dem Heeresdienst entfloh, war gezwungen, sich in den Dörfern vor den Augen der Regierung verborgen zu halten und dieses Moment war eine ständige Quelle für Bakschische und schwere Erpressungen der türkischen Polizei gegen die Familie des Flüchtlings. Diese jungen Kräfte, die jetzt von der drückenden Last des Heeresdienstes befreit sind, erhöhen die Produktionskraft der Fellachenfamilien außerordentlich. Die Verbesserung der sanitären Verhältnisse, die Einführung eines erweiterten und entwickelten Schulsystems, die Anleitung der landwirt-