Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Jewish Agency. VOn Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 5)
- Language
- German
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Wäre nicht unmittelbar nach den August-Unruhen im September 1929 der sogenannte Emergency-Drive (Notstands-Aktion für die Opfer der Unruhen) durchgeführt worden, der etwa zwei Millionen Dollar ergab, dann wäre wahrscheinlich in dieser besonders kritischen Zeit gar kein Geld aus Amerika verfügbar gewesen, denn der reguläre Drive hätte wohl erst im November begonnen, das heißt aber nach dem Börsenkrach. Die Folgen des plötzlichen Umschwungs der amerikanischen Wirtschaft waren verheerend. Zunächst folgte der finanzielle Zusammenbruch der Zionistischen Organisation Amerikas, die ihr Defizit von mehr als 100.000 Dollar nicht decken konnte, so daß die alte Leitung zurücktrat unjd der seit 1921 verdrängten Brandeis-Gruppe Platz machte. Eine weitere Folge war die fast völlige Unwirksamkeit der eben erst im August 1929 nach so großen Mühen gegründeten erweiterten Agency. Die an der Spitze der Agency in Amerika stehenden Kreise vermochten nicht, neue Menschen und Mittel für Palästina zu mobilisieren, ja auch von den bis dahin interessierten Kreisen bröckelten manche ab, weil sie durch private Sorgen in Anspruch genommen wareit So kam es, daß aus Amerika in anderthalb Jahren so gut wie überhaupt nichts für das Palästina-Budget der Jewish Agency beigetragen wurde, während man doch gemeint hatte, auf Amerika nach der Erweiterung der Jewish Agency mit mindestens zwei Millionen Dollar rechnen zu können. Nur durch verschiedene Kreditoperationen ,bei denen freilich die; nichtzionistischen Mitglieder der Agency, wie die Herren Warburg und Wassermann, entscheidend mithalfen, ist es gelungen, die Palästina-Exekutive notdürftig über Wasser zu halten, wobei man auf alle weitergreifenden kolonisatorischen Pläne verzichten mußte. Die Jewish Agency hat — vielleicht etwas spät — zu radikalen Einschränkungen gegriffen, einen Teil ihres Apparates abgebaut, Gehälter herabgesetzt, sie muß jedoch die Abstoßung ganzer Arbeitsgebiete, für die sie bisher verantwortlich war, in Erwägung ziehen, wenn nicht] der Hauptsinn der Agency und des Zionismus, nämlich die Kolonisation und Einwanderung, völlig ausgeschaltet werden soll. Die zionistische Exekutive hat, da eine Zusammenkunft des Agency-Komitees technisch nicht zu bewerkstelligen war, für 14. Jänner eine Sitzung des zionistischen Aktionskomitees einberufen,, um über die Finanzlage zu beraten. Dieser Sitzung lag ein Bericht des Finanzkomitees der Jewish Agency vor, das Ende Dezember 1930 unter dem Vorsitz von Oskar Wassermann in Berlin getagt hat, wobei der soeben aus Amerika zurückgekehrte europäische Direktor des Joint, Dr. Bernhard Kahn, selbst Mitglied der Agency-Exekutive, über die Aussichten in Amerika berichtete. Auf Grund der verschiedenen Darstellungen der Lage kam das Aktionskomitee zu dem Ergebnis, daß man für das nächste Jahr (1931) mit einer Einnahme von 180.000 Pfund aus Amerika und 170.000 Pfund aus den übrigen Ländern rechnen könne, zusammen also mit 350.000 Pfund, während man bei der Gründung der Agency in Zürich aji ein Jahresbudget ^von 750.000 Pfund gedacht hatte und die für die Agency als maßgebend erklärte Joint Palestine Survey Commission ein Jahresbudget von einer Million Pfund als notwendig erklärt hatte. Man ist sich seute bewußt, daß selbst die Aufbringung dieser 350.000 Pfund nur mit äußersten Anstrengungen zu bewerkstelligen ist, vorausgesetzt, daß keine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse eintritt. Es bedarf nicht vieler Worte, um klar zu machen, welche gewaltige Veränderung der Situation hier vorliegt. In der Tat hat sich der Notstand berleits vor aller Welt manifestiert, indem die