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Palästina · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Jewish Agency. VOn Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1931-01-01
Page
Seite 57 (sequence 4)
Language
German
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kann und obwohl angesichts der überragenden Bedeutung gerade der Spezialfragen ein abschließendes Urteil noch nicht gebildet werden kann, ist es doch durchgesickert, daß in dem ersten Teil der Verhandlungen wesentliche Fortschritte erzielt worden sind. In der arabischen Oef f entlichkeit hat die Ankündigung der Verhandlungen Beunruhigung hervorgerufen und es wurden Drohungen laut, daß die Araber eine Abschwächung der den Schatz der arabischen Bevölkerung beinhaltenden Politik des Weißbuches nicht zulassen werden. Der High Commissioner, Sir John Chancellor, hat jedoch den Arabern erklärt, daß eine Zurückziehung des Weißbuches nicht zur Diskusion stehe. Der Widerstand der Araber gegen eine Neuformulierung, die nicht auch ihre Interessen voll berücksichtigt, ist jedenfalls ein Faktor, der von einer vorausschauenden Jewish Agency nicht unbeachtet bleiben dürfte. Ergeben sich so für die politische Situation am Abschluß der von den August- Unruhen eingeleiteten Periode für die Jewish Agency wieder etwas hoffnungsvollere Perspektiven, so ist zugleich durch eine Zuspitzung der wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten die jüdische Aufbauarbeit von einer anderen Seite her schwer bedroht. Ein gewisser Zusammenhang besteht auch zwischen wirtschaftlichen Momenten und den politischen Schwierigkeiten. Denn die Unruhe in Palästina ist in ihren tieferen Ursachen zum großen Teil auf die geradezu katastrophale Lage der arabischen Fellachen zurückzuführen, die von der agrarischen Weltkrise schwer getroffen sind. Diese armseligen Bauernexistenzen, die auch schon vorher sich in harter Arbeit nur notdürftig erhalten konnten und in immer drückendere Schulden bei arabischen Wucherern versanken, können bei dem Preissturz der Agrarprodukte, sogar wenn man spezielle Schädigungen, wie die Mäuseplage, Heuschrecken, Dürre usw., außer Acht läßt, ihr Lebensminimum nicht mehr decken. So ist die Fellachenfrage in den Vordergrund der palästinensischen Politik gedrängt worden, sie hat die Shaw-Kommission beschäftigt, sie wurde speziell untersucht, zuerst von der Johnson-Crosbie-Kommissfon, dann von Simpson und Strickland, sie hat zu der Folgerung geführt, die Mandatarmacht müsse zunächst einmal für die Landesbevölkerung sorgen und sie mit ausreichendem Boden versehen, bevor neue Einwanderer zugelassen werden. Von jüdischer Seite wurde nachgewiesen, daß eine solche Schlußfolgerung irrig ist, weil gerade durch die Einwanderung und den jüdischen Kapitalzustrom den Fellachen die Möglichkeit einer Entschuldung und Intensivierung ihrer Wirtschaften geboten wird; aber an dieser Stelle sollte nur darauf hingewiesen werden, daß die Weltwirtschaftskrise sich indirekt auch in der Palästina- Politik ausgewirkt hat. Das jüdische Aufbauwerk wurde zunächst nur wenig betroffen, weil es ohnedies in der Hauptsaohe auf außerökonomischen Zuwendungen beruhte. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Welt ging jedoch eine Verminderung der Einnahmen der jüdischen Fonds Hand in Hand, und aucjh aus privaten Quellen begannen die Gelder, sei es nun in der Form geschäftlicher Investitionen oder in der Form von Unterstützungen, spärlicher zu fließen. Am schlimmsten waren die Wirkungen in Amerika, wo durch den Börsenkrach Ende Oktober 1929 ein großer Teil des jüdischen Mittelstandes geradezu vernichtet wurde. Die Schichten, die bisher am meisten für Palästina beigetragen hatten, waren teils hiezu außerstande, teils hatte durch idas Schreckgespenst der eigenen Verarmung die Gebefreudigkeit sehr gelitten.

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