Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Politik. Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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Opponenten. Wir haben eine Probe dieser Taktik noch in der früheren Assefath Haniwcharim erlebt, zu einer Zeit, als die Revisionlisten eine winzige Minderheit waren, was sie jedoch nicht verhinderte, der Versamlungsleitung die größten Unannehmlichkeiten zu bereiten. Zudem sind die Aussichten aui einem Spezialgebiet, nämlich der Durchsetzung und praktischen Anwendung eines innerjüdischen Arbeitsgesetzes zur Vermeidung von Arbeitskonflikten sehr trübe. Eine solche Arbeitsordnung ist dringend nötig, wie sich im letzten Winter wieder durch die Häufung von Komplikationen in den Pflanzungskolonien gezeigt hat. Die Pflanzer haben jedoch als solche nicht an den Wahlen teilgenommen und die Annahme von Schlichtungsmethoden durch eine Versammlung, in der die Arbeiter in der Mehrheit, die Pflanzer als solche aber nicht vertreten sind, wird für die Praxis wenig besagen. Denn die Knesseth Jisrael hat keine Druckmittel in der Hand, um ihren Beschlüssen Widerstrebenden gegenüber genügenden Nachdruck zu verleihen und ist daher? auf die freiwillige Zusammenarbeit ihrer Mitglieder angewiesen. Die Zweifel an der Arbeitsfähigkeit der Versammlung sind daher sehr groß. Noch ein drittes Moment muß bei den Tagungen der K. J, in Betracht gezogen werden: ihr Zusammenhang und ihre Beeinflussung der nichtjüdischen öffentlichen Meinung. Die Wahlen sind von den Arabern mit großem Interesse verfolgt worden und es ist charakteristisch, daß die extremen Blätter wie zum Beispiel die Jerusalemer „El Djammiali el Arabien" einen revisionistischen vSieg erhofften, da sie sich davon eine Verschlechterung der politischen Steider Juden England gegenüber eine Radikalisierung im arabischen Lager und eine „Enthüllung der verborgenen zionistischen Ziele" (Judenstaat) versprachen. Es genügt dieser einfache Hinweis, um deutlich zu machen, daß die politischen Polemiken, wie sie die Knesseth bei ihrer jetzigen Zusammenarbeit unweigerlich bringen muß, auch nach außen hin ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Eine politische Umschau des letzten Monats ist unvollständig, wenn sie nicht zwei Schritte der palästinensischen Regierung beleuchtet, die an sich wirtschaftlichen Zwecken dienend, politischen Charakter tragen. Es handelt sich erstens um die Einsetzung einer landwirtschaftlichen Kommission, die vom Oberkommissär ernannt ist und außer Beamten fünf Juden, fünf Araber, einen Franzosen und eine Deutschen umfaßt. Diese Maßnahme zeigt, daß die Regierung nach Sammlung umfangreichen Materials durch Experten endlich darangeht, praktische Schritte zur Reformierung landwirtschaftlicher Methoden zu unternehmen und daß sie gewillt ist, zu diesem Zwecke einen Kontakt mit der Bevölkerung herzustellen, der für die Durchführung neuer Pläne von eminenter Wichtigkeit ist. Durch die Sammlung der verschiedenen Materialien ist jetzt bewiesen worden, was schon früher augenfällig war, daß nämlich eine Hebung der palästinensischen Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit nur durch aktive Mithilfe der Regierung möglich ist, die bisher diese ihre wichtige Aufgabe nur zu einem Bruchteil, wenn überhaupt, erfüllt hat. Die genante Kommission bedeutet eine weitere Vorbereitung und es ist zu begrüßen, daß sie zum größten Teile aus Nichtbeamten bestellt und Juden und Araber gemeinsam darin wirken sollen. Eine zweite Kommission, die nicht vom Oberkommisariat, sondern vom Colonial Office kommt, wird in diesen Tagen erwartet, Ihre Aufgaben und Kompetenzen sind etwas unklar, aber so viel läßt sich erkennen, daß ihr die Ueberprüfung der Regierungsdepartements und daran