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Palästina · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. Seite 52

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Politik. Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
Date
1931-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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„System Weizmann" und dem von Jabotinsky zuspitzte. Dieser Situation ist es zuzuschreiben, daß aus den vielen Parteien nur zwei im Wahlkampf hervortraten, die Arbeiterschaft und die Revisionisten. Und so erklärt sich auch «der arge Niedergang aller Mittelgruppen, die den beiden großen Gegnern das Feld räumen mußten. Die Parallele mit der ähnlichen Entwicklung in europäischen Ländern drängt sich auf. Hier, wie dort das Gravitieren der Wähler nach den Flügelgruppen und die Entblößung der Mitte, das Mißtrauen gegen gemäßigte Losungen. Man hat allgemein im Lande einen Sieg der'Revisionisten erwartet, ohne doch vor den'Wahlen die Kräfte richtig abschätzen zu können. Es hat sich dann gezeigt, daß die Arbeiterschaft fest im Sattel sitzt, ihre Mitglieder gut in der Hand hat und auch imstande war, einen gewissen Teil der Bürgerlichen in ihre Reihen für diesen Kampf hinüberzuziehen. Dennoch darf das Vordringen des Revisionismus, wie es die Wahlzeiten zeigen, nicht gering geschätzt werden. Eine Gruppe, die in den vorigen Wahlen wegen ihrer geringen Zahl bagatellisiert werden konnte, hat es heute fertig gebracht, zur zweitgrößten Fraktion im Jishuw aufzusteigen und in der Stadt Tel-Aviv über viertausend Stimmen zu sammeln. Diese beiden Tatsachen zeigen die völlige Umgruppierung der zionistischen Parteien. Daß die Arbeiterschaft trotz dieses Umschwunges den Erfolg buchen konnte, in der Knesseth Jisrael zusammen mit den ihr angeschlossenen Blocks die Majorität zu bilden, ist ein Symptom für die Festigkeit ihrer Parteidisziplin. Außerdem muß man im Auge behalten, daß die Revisionisten unter einer unüberlegten und übersicheren Führung leiden, die ihre Taktik schwer beeinträchtigt und sie durch ihre arbeiterfeindliche Haltung sich vieles verdarben. Man kann nicht umhin, anzunehmen, daß bei geschickter Führung und arbeiterfreundlicher Haltung die Revisionisten noch weit besser abgeschnitten hätten. Ein weiteres Moment kommt dazu: Trotz ihres Kampfes gegen den Revisionismus — oder den Faschismus, wie heute die Formulierung charakteristischerweise häufig lautet — zeigte die Arbeiterschaft sowohl im Wahlkamp/fe, als auch in ihrer Gesamthaltung in den letzten Monaten genug von jener Haltung des Protestes und der starken Forderungen, die für eine Anziehung der Massen heute entscheidend ist. Ihr Programm ist dehnbar und ihre Bekämpfung jedes Kompromisses, ihre scharfe Haltung gegen den Brith Schalom gab ihr einen Schutz, den eine logisch völlig konsequente Ablehnung revisionistischer Ideologie, wie er sich zum Beispiel im Brith- Schalom manifestiert, niemals gewähren kann. Um zu resümieren: die Wahlen brachten der Arbeiterpartei die Majorität der Versammlung, den Revisionisten eine starke Erweiterung und Befestigung ihrer Stellung. Beide errangen ihren Sieg auf Kosten der verschiedenen Mittelgruppen. All das wird fraglos seinen Einfluß auf die weitere Gestaltung der Verhältnisse im Galuth nicht verfehlen. Innerpolitisch, das heißt für die eigentliche Arbeit im Jishuw, gelten andere Werte. Es frägt sich, ob die Knesseth Jisrjael in ihrer neuen Zusammensetzung die Arbeiten wird durchführen können, für die sie berufen ist. Und hier wird die Antwort recht pessimistisch lauten müssen. Bei der gegebenen Situation, mit einer Majorität der Linken, einem schwachen uneinheitlichen Zentrum und einer starken, durch keine Skrupel gehinderten Opposition muß die praktische Arbeit aufs äußerste leiden. Die Tendenz der Opposition muß sein, die Versammlung zur Propagandabühne für ihre politischen Ideen und Vorschläge auszunützen und je geräuschvoller dieses geschieht, desto besser für die

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