Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Politik. Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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die in einem gewissen Gegensatz zu der des diplomatischen Korps stand, mehr :darauf zu deuten, daß das Oberkommissariat sich damit begnügte, diese Zeremonie zu dulden und Vorsichtsmaßregeln zu ihrer Kontrolle zu ergreifen. Jüdische Institutionen wurden zur Teilnahme nicht aufgefordert. Ein Beileidstelegramm, das im Namen der Jewish Agency an Shaukhat Ali gerichtet wurde, erschien in verschiedenen arabischen Blättern, zum Teil mit unfreundlichen Glossen versehen. Es wurde an manchen Stellen kein Hehl daraus gemacht, daß die Beisetzung eine antijüdische Note haben sollte. Demgegenüber ist es bedeutsam, daß einzelne kleine arabische Gruppen mit der Bitte «an den Bruder des Verstorbenen herantraten, als Vermittler zwischen Juden und Arabern zu wirken und damit die Beerdigung Mohamed Alis zu einem Wendepunkt der palästinensischen Geschichte zu gestalten. In diesen Gesuchen wird richtig erkannt, daß das Grab des Toten nur da,nn von Nutzen für das Land sein kann, wenn es nicht nur eine Gruppe fester zusammenschließt, sondern zum Anstoß wird für ein verstärktes Streben nach einem Kompromiß zwischen den beiden Völkern. Daß diese Erkenntnis in diesem Momente von arabischer Seite geäußert wird, ergibt ein gewisses Gegengewicht gegen die um den Mufti gescharten Initiatoren, die sich dieser Ge¬ Gelegenheit nicht zur Verbindung beider, sondern zur Stärkung des einen Lagers bedienen wollten. Es führt heute kein Weg von den Ereignissen im arabischen Lager zu denen des jüdischen. Die beiden Welten sind — besonders auf dem Gebiete der Politik — wasserdicht gegeneinander abgeschlossen. Jede Seite beobachtet aufmerksam die andere, prüft und kommentiert wajs im anderen Lager vor sich geht, ohne daß eine Brücke über die trenntesnde Kluft geschlagen würde. Man muß sich daher, wenn man sich von einer wichtigen Entwicklung unter den Arabern zu einer anderen unter den Juden wendet, auf eine völlig verschiedene Welt umstellen. Wenn man von der Beisetzung Mohamed Alis zu dem anderen Ereignis des letzten Monates übergeht, den Wahlen zur Ver>- treterversammlung der palästinensischen Judenheit — Knesseth Jisrael — tritt man in einen Kreis anderer Werte und Maßstäbe. Die Wahlen zur Knesseth Jisrael, den ersten seit der offiziellen Bestätigung des Gemeindegesetzes, hatten dieses Mal eine besondere Bedeutung, die nicht auf das Land beschränkt ist. Man hat sie allgemein als eine Generalprobe für die Kongreßwählen angesehen und auch heute, nach der Verschiebung des Kongresses, behalten sie ihr Gewicht als Maßstab für die Stimmung und politische Richtung der palästinensischen Judenheit und zugleich als ein Signa] für die Länder des Galutih. In Palästina errungene Siege der einen oder anderen Partei haben eine beträchtliche Rückwirkung auif die Länder des Galuth. Es ist daher notwendig, sich ausführlicher mit ihnen zu befassen. Daß außenpolitische Fragen die entscheidende Rolle im Wahlkampf spielten und Probleme innerpalästinensisqher Organisation in den Hintergrund drängten, versteht sich von selbst. Obwohl die neue Knesseth Jisrael vor einer Fülle sozialer und wirtschaftlicher Aufgaben stehen wird — man denke nur an die Projekte der Uebergabe der Erziehungs- und Sanitätswerke an den Jishuv — hatte keine Partei wirklich Muße, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Es handelte sich um eine Entscheidung über die künftige Linie zionistischer Politik, die sich schließlich zu einer Wahl zwischen dem