Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Politik. Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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stina und den Bestrebungen seiner arabischen Bewohner; Betonung der Heiligkeit des Haram es Scherif für die gesamte moslemische Welt, wie sie durch den Versuch dargetan wurde, Vertreter, nicht nur Palästinas, sondern auch Transjordaniens^ Syriens, Aegypten und Tunesiens heranzuziehen; und schließlich eine Gegenüberstellung östlicher Auffassungen gegenüber den Begriffen und Maßstäben des Westens, wie sie sich in den Worten Shaukhat Alis, des Bruders und Kampfgenossen des Verstorbenen, manifestierte. Hier kommt der Wille zum Ausdruck, religiöse Mittel mit zum Kampf für nationale Ziele heranzuziehen, und es lag nahe, daß, ähnlich wie beim Konflikt um die Westmauer ein moslemisches Heiligtum in den Mittelpunkt gerückt wird, um das Interesse und die Vere/hrung weiter Kreiise für dieses Heiligtum zu stärken. Die Bestattung einer Persönlichkeit des Islair^ die übejr die Grenzen ihres engen Vaterlandes hinaus wirkte, in Jerusalem, kann zu einem wichtigen Präzedenzfall für die Zukunft werden. Gegenüber diesen Motiven ist der Verlauf der eigentlichen Zeremonie, ihr Glanz und ihre Wirkung auf die unmittelbaren Teilnehmer keine Frage erster Ordnung mehr. Es ist auffällig, daß man von dem Aufzug als solchem ungeheuer viel erwartet hatte — Moslems und Nichtmoslems gleicherweise — und daß diese Erwartungen zum Teil enttäuscht wurden. Es kam zu keinem „Orientalischen Festzug" im üblichen Sinne dieses Wortes und das war nur natürlich. Denn Palästina ist ein armes und kleines Land und seine Feiern, auch die außerordentlichen, sind dementsprechend- Die äußerliche Form dieser Aktion hat gegenüber ihrem symbolischen Wert relativ wenig zu sagen. Wichtiger ist schon, daß sich an der Teilnahme der repräsentativen Persönlichkeiten zeigte, daß nicht alle Kreise der Araber diesen neuen Zug des Hadji Emin El Husseini, des Mufti von Jerusalem, begrüßten. Es fehlten unter den Leidtragenden manche zentrale Figur, wie zum Beispiel Musa Kasim El Husseini, der Vorsitzende der arabischen Exekutive, der in Jericho den Winter verbringt und sich durch Krankheit entschuldigen ließ. Das gleiche gilt für Naschischibi, den Bürgermeister von Jerusalem, und Gegner des Mufti, und für die Häupter der katholischen GeinWinde, die im Gegensatz zu den orthodoxen Christen beim Begräbnis vermißt wurden. Diese Einzelheiten zeigen, daß religiöse und persönliche Gegensätze sich auch in einem solchen Falle nur schwer verwischen lassen, selbst wenn neben dem panislamischen Motiv auch das der arabischen Föderation mitklang, ein Motiv, das in letzter Zeit sich immer klarer als politische Richtlinie der leitenden Kreise im Lande herausschält. Schließlich noch eine Bemerkung über den Anteil der Engländer an dieser Aktion. Es wurden im Lande viele Stimmen laut, die England oder zumindest englische Persönlichkeiten für die Sache verantwortlich machten. Es wurden verschiedene Hypothesen geäußert: eine neue Stützung der arabischen Bestrebungen und vor allem die Stärkung Jerusalems mit dem Haram es Scherif gegenüber Mekka mit der Kaaba. Das heißt mit anderen Worten: ein neuer Schachzug gegenüber dem zur Unabhängigkeit neigenden Ihn Saud und der Versuch, einen Teil des auch finanziell wichtigen Pilgerstromes, der sich jährlich nach dem Hedjas ergießt, nach Palästina abzulenken. Wenn es in der Tat am Anfang schien, als ob die .Regierung die Vorbereitungen des moslemischen Rates aktiv förderte, so schien später ihre geringe Beteiligung,