Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Über die Rentabilitätsberechnung in den Arbeitersiedlungen des Keren Hajessod
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 18)
- Language
- German
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Ueberschuß verzeichnet werden kann. Es lassen sich daraus zweifellos rechtgünstige Rückschlüsse auf die Rentabilität anderer Betriebe ableiten, da es sich in diesen Fällen meistens um Wirtschaften handelt, die nicht genug entwickelt oder aus verschiedenen Gründen vernachlässigt worden sind, so daß ihre bisherigen Besitzer sich gezwungen sahen, sie aufzugeben. Ein noch günstigeres Bild liefert uns eine Schätzung, die in einem (freilich einem der besten) Moshav vorgenommen wurde. Von etwa 70 Einzelbetrieben, die geschätzt wurden, war ein Drittel im Defizit, zwei Drittel dagegen wiesen Ueberschüsse auf. Die Summe der Ueberschüsse war dreimal so groß wie die der Defizite. In einzelnen Betrieben belief sich der Ueberschuß bis auf 50 Prozent und mehr des investierten Kapitals. Die Summe aller Ueberschüsse in allen Betrieben mit aktiven Bilanzen näherte sich einem Fünftel (20 Prozent) des investierten Kapitals. Die Summe der Defizite dagegen belief sich nur auf 12 bis 14 Prozent des in den Betrieben mit passiven Bilanzen investierten Kapitals. VI. Wir kommen also zu folgenden Ergebnissen über die Lage und die Aassichten der Betriebe: 1. Die Rentabilitätsberechnung, wie sie heute in den K. H.-Siedlungen üblich ist, bietet uns keine Anhaltspunkte für die Ermittlung der Rentabilität und der Rentabilitätsaussiebten der Betriebe. Die Bilanzen, die wir haben, sind nicht Bilanzen der Betriebe, sondern der Siedlergruppen, die den Betrieb besitzen, bezw. verwalten. Ein Studium der Bilanzen ergibt also kein Bild davon, welchen Ueberschuß, bezw. welches Defizit der Betrieb netto (d. h. nach Abzug der Administrations- und Betriebskosten, wie auch der Kapitalsverzinsung) ergeben hat. Dehrn die Bilanz wird nicht nur bestimmt durch'die Wirtschaftsausgaben und Einnahmen des Betriebes als solchem, sondern — und zwar zu einem bedeutenden Teil — durch die persönlichen Ausgaben der Siedlergruppe. 2. Um ein Bild von der tatsächlichen Rentabilität des Betriebes zu erhalten, muß der bisher schwankende Faktor des Arbeitslohnes, der heute zu einem Teil durch den Lebensstandard des Siedlers bedingt ist, durch eine feste Lohnquote ersetzt werden. Das müßte zum mindesten bis zu dem Momente geschehen, wo die Siedlungen voll equipiert sind. Dadurch würde sich der zum Ausbau der Siedlungen nötige Kapitalsbedarf verringern, es wäre eine sicher© Basis für die Beurteilung* der Rentabilität in den verschiedenen Wirtschaftszweigen gegeben und schließlich würde das Siedlungsinstitut an einem mögliehst schnellen Aufbau der Betriebe interessiert sein, da es fü^ die Meln> kosten des Aufbaues verantwortlich wäre. Die Betriebe könnten dann erst nach voller Equipierung in den Besitz der Siedler übergehen. 3. Als die Lohnquote für die Siedler muß der Tagesverdienst eines Koloniearbeiters, also 200 Mil ausgesetzt werden. Nur dann ergibt sich die Möglichkeit, die Rentabilität der nationalen und der privaten Unternehmungen in der Landwirtschaft zu vergleichen. Ein Lohn von 200 Mil pro Tag gibt eine, wenn auch sehr bescheidene, Existenzmöglichkeit. Man muß noch in Betracht ziehen, daß freie Wohnung, Produkte zum Erzeugerpreis und ähnliches, dem