Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Über die Rentabilitätsberechnung in den Arbeitersiedlungen des Keren Hajessod
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 12)
- Language
- German
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eines Koloniearbeiters keinesfalls als beneidenswert bezeichnen können, so ist das nur zu einem gewissen Teile seinem niedrigejn Lohn zuzuschreiben. Was ihn besonders drückt, ist die ökonomische Unsicherheit und Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt, die periodisch wiederkehrende Arbeitslosigkeit, der Wohnungsmangel in den Kolonien und die hohe Miete, die er zahlen muß, die nicht immer guten Zahlungsbedingungen und daher oft teure Kreditwirtschaft, der, Mangel eines Haushaltes, der ihn zu Mehrausgaben in den teuren Speisewirtschaften zwingt usw. Und überall, wo die Arbeits- und Lebensbedingungen geordneter sind, können wir die erfreuliche Tatsache beobachten, daß der Koloniearbeiter mehr und mehr Boden gewinnt und seine Lage sich zusehends bessert. Eine ganze Reihe von Arbeitergruppen in den Kolonien, die in ihrer Arbeit mehr oder weniger gesichert sind, können au! eine billige und verhältnismäßig gute Verpflegung hinweisen. Sie sind außerdem im Laufe der Zeit bei richtiger und sparsamer Verwaltung imstande, aus eigenen Ersparnissen oder mit Hilfe von Anleihen, die sie zmiückzahlen und zurückzahlen können, nicht unbeträchtliche Anfänge einer Eigenwirtschaft aufzubauen. Dasselbe gilt vielleicht in noch höherem Maße für einen Teil der verheirateten oder unverheirateten einzelstehenden Arbeiter. Ein Teil besitzt bereits ein Stück Boden in der Kolonie für Haus und Hof, ein Teil hat Arbeitsgespanne erworben, ein Teil sammelt Ersparnisse für die zukünftige Ansiedlung. Sogar die so schmerzliche und brennende Frage der Familiengründung hat zu einem gewissen Teile ihre Lösung gefunden. Die im März dieses Jahres stattgefundene Zählung der Kolon,iearbeiter hat in dieser Beziehung überraschende Tatsachen zutage gefördert. So stieg der Prozentsatz der verheirateten Koloniearbeiter von 24.9 Prozent im Jahre 1926 auf 36 Prozent im Jahre 1930. Dabei hat sich in den letzten vier Jahren die absolute Zahl der Arbeiter in den Kolonien um fast hundert Prozent erhöht. Einen genauen Vergleich zwischen den Lebensbedingungen eines Koloniearbeiters und eines landwirtschaftlichen Siedlers in den Keren Hajessod-Betrieben anzustellen, ist nur aulf Grund e^ner eingehenden Analyse der einzelnen Ausgabe- und Einnahmeposten möglich. Doch schon eine prima vista- Untersuchung würde die Wagschale zugunsten des Siedlers neigen; erstenis hat der Siedler freie Wohnung, die heute nur ein ganz kleiner Teil, nämlich die in größeren Privatfarmen beschäftigten Arbeiter, zugesprochen bekommt. Diese Begünstigung bedeutet bei einer vorsichtigen Berechnung (4 Prozent des in den Wohnbauten investierten Kapitals) einen Zuschuß von etwa 20 Mil pro Arbeitstag im Betriebe. Zweiten^ ist der Siedler von allen direkten und indirekten Regierungs- und Munizipalsteuern (Wohnungs- und Wassersteuerri, Sicherheitsdienst usw., die in der Kwuzah vom Betriebe getragen werden) befreit. Drittens hat er gesicherte Arbeit, während des ganzen Jajires und gesicherte Zulagen, da auch die Zinsen für eventuell notwendige Anleihen vom Betriebe bestritten werden. Viertens (doch das kann nicht immer als ein Vorteil betrachtet werden) fehlt zu einem großen Teile in seinem Budget die? Ausgabe für Vergnügungen (Vorstellungen, Kqnzerte, Kinos usw), auf die er notgedrungen und aus technischen Gründen oft verzichten muß und die in das Budget eines Koloniearbeiters besonders in den größeren Kolonien ein recht großes Loch reißen. Auch der reale Wert seines Lohnes ist größer als der des Koloniearbeiters. Er kann die Begünstigung eines geordneten und gut geführten