Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1930)
- Article
- Politik. Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 443 (sequence 3)
- Language
- German
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- Basra 1× ep/1044138
- Haifa 1× ep/1047930
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aber es wurde doch von ver/Schiedenen Stellen zugegeben, daß in dieser Richtung Erfolge zu erzielen seien, wenn auch manch einer über die Kooperation von „Feiestin" und „Doar Hajom", die extreme Gegner sind, gelächelt haben mag. Von größerem Interesse ist die Schwankung des arabischen '„Feiestin", der in einer seiner letzten Nummern die Frage der jüdisch-arabischen Konferenz von neuem aufgreift und ein solches Unternehmen nicht nur als ungefährlich, sondern auch für nützlich hinstellt. Man muß sich erinnern, daß die arabische Delegation in London vor einem halben Jahre einen solchen Vorschlag der englischen Regierung zurückwies und dabei von der gesamten palästinensichen Presse unterstützt wurde, um zu verstehen, daß hier große Aenderungen sich vorbereiten. Man würde freilich völlig fehlgehen, iwenn man annähme, daß hinter diesem Vorschlag viele der arabischen Führer ständen oder daß hier ein bewußt neuer Kux/S eingeschlagen würde. Aber die durch das Weißbuch erzielte Beruhigung der arabischen Kreise macht heute vieles möglich, was noch vor Monaten ausgeschlossen erschien. Um diese Situation auszunützen, wäre eine kraftvolle Initiative beider Seiten und vor allem eine klare Richtlinie der Regierung notwendig. Sie hat die 'Mittel und die Druckmittel in der Hand, heute etwas für diese arabisch-jüdische Kooperation zu tun, von der in der letzten Zeit zwar sehr viel gesprochen, aber wenig getan worden ist. Auch ein weiterer Vorschlag verdient Beachtung, der, wenn auch seit längerem vorbereitet, erst in der letzten Zeit vor 1 die größere Oeffentlichkeit gebracht wurde. Der Redakteur des englischen „Feiestin" entwickelte vor kurzem im Kreise des Brith Schalom ein Projekt zur Lösung des jüdischarabischen Problems. Die Grundlage des Planes bildet die Schaffung einer arabischen Föderation „von Basra bis Haifa". Innerhalb dieser Territorien sollen die Juden Siedlungsmöglichkeiten erhalten, wobei ihnen volle Bürgerrechte und ähnlich wie den Kurden im Irak spezielle Minoritätenrechte gesichert werden. Dazu kommt das Recht, hebräische Sprache und Kultur zu pflegen und zu entwickeln. Es wird hier also eine Kooperation von Juden und den arabischen Einwohnern der genannten Territorien vorgeschlagen. Die Araber bieten ein weites Siedlungsgebiet an, die * Juden sollen da'für ihre Kenntnisse, Initiative und ihr Kapital in den Dienst der zu schaffenden arabischen Föderation stellen. Inwieweit dieser Vorschlag realisierbar ist und wie weit er zionistischen Bedürfnissen und zionistischer Ideologie entspricht, das verlangt eine gründliche LJntersuchung. Vor allem drängt sich unmittelbar die Frage auf, inwieweit eine Streusiedlung in den Ländern des nahen Ostens geeignet ist, zionistische Ideen zu verwirklichen. Jedoch ist der Vorschlag bedeutsam. Denn er zeigt, daß heute in Palästina auch von arabischer Seite die ersten Versuche gemacht werden, von sich aus eine Lösung des jüdischen Problems vorzuschlagen und daß zugleich die Erkenntnis aufdämmert, daß jüdische Kenntnisse, Kapitalien und Initiative für das Land und die umliegenden Territorien ein wichtiges Plus darstellen. Es mögen heute unter den arabischen Führern nur wenige, vielleicht nur einzelne sein, die einen neuen Zugang zur palästinensischen Frage suchen, daß aber überhaupt derartige Vorschläge auftreten, eröffnet neue Perspektiven. Die öffentliche Meinung schenkt den verschiedenen Aeußerungen dieser Art nur relativ geringes Interesse. Die Vorgänge in London haben die Auf-