Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1930)
- Article
- Politik. Von Gerda Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 442 (sequence 2)
- Language
- German
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folg gehabt hätte. Sie hat^e die Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung beruhigt und ihre Opposition zu einem großen Maße gebrochen. Freilich war dieser Er'folg nur auf Kosten der letzten Reste des Vertrauens möglich gewesen, den die Juden noch in die Mandatarmacht setzten. Im Jishuv ist im Laufe des letzten Monatefs die Gegnerschaft zur Politik der Engländer und die Kluft zwischen ihm und der Administration in geradezu beängstigendem Maße gewachsen. Noch nie waren die Gefühle der Juden gegenüber London und Jerusalem so bitter wie jetzt. Jedes Projekt, das auf einer Zusammenarbeit mit der Administration beruht, begegnet einem tiefwurzelnden Mißtrauen und Skeptizismus. Und die zahlreichen Versuche, des ColoniaJ Office und des englischen Kabinetts, den Juden die bittere Pille etwas zu versüßen, schlugen fehl. An allen Stellen und fast bei allen Gruppen fehlt das Vertrauen in die Londoner Versprechungen. Zuerst hatten vielleicht noch einige auf eine Revision des Weißbuches gehofft. Nach der Parlamentsdebatte wenden in dieser Hinsicht keine Illusionen mehr genährt. Auch die Verhandlungen der Jewisli Agency mit der Londoner Regierung werden mit einigem Mißtrauen beobachtet. Die öffentliche Meinung, wie sie zum Beispiel im Waad Leumi zum Ausdruck kommt, fordert Abbruch der Verhandlungen, sobald sie sich in irgend einer Fqrm auf das Weißbuch stützten. Es schien eine kurze Zeit, als sollte auch der bei den Arabern erreichte Erfolg in Frage gestellt werden. Die verschiedenen „Erklärungen", die von London dem Weißbuch nachgeschickt wurden und zur Beruhigung der Juden dienen sollten, und weiter die Bewilligung der 1500 Zertifikate, die woh] in demselben Sinne gedacht war, rissen die Araber wieder aus ihrer Sicherheit und machten sie stutzig. Einige Tage hindurch wurde die Ungewißheit über die Haltung der Regierung so stark, daß eine beträchtliche Spannung im Lande zu spüren war und manche besorgt wurjden. Erst der Verlauf der Parlamentsdebatte und die Erklärung des Koloriialsekretärs über die Aufrechterhaltung des Weißbuches brachte die Dinge wieder ins Lot. Die Regierung kann heute darauf rechnen, eine gewisse Hijife bei den Arabern zu erhalten. Dagegen sind die Beziehungen zu den Juden aufs äußerste verschärft. Es ist interessant, daß in dieser Situation verschiedene — wenn auch nicht immer glückliche — Versuche gemacht werden, zu einer gemeinsamen Aktion zwischen Juden und Araber zu gelangen. Diese Versuche gehen nicht von der offiziellen Führerschaft aus, sie haben auch keinen politischen Charakter. Sie sind jedoch von Bedeutung, weil sie ^aus praktischen Notwendigkeiten entstehen und eine Verbindung hier und da herzustellen suchen. Für einen dieser Versuche war das Vorgehen der Regierung der unmittelbare Anlaß. Die xAdministration bekam die Reaktion der Londoner Schwankungen stark zu spüren und sah sich von neuem einer ungezügelten Preßkampagne gegenüber. Sie griff darauf zu dem bewährten Hilfsmittel des Presseverbotes und stoppte nacheinander den revisionistischen „Doar Hajom" und den arabischen „Feiestin". Da wandte sich der Redakteur d;es i „Doar Hajom" an seinen Kollegen vom „Feiestin" mit dem Vorschlag einer .gemeinsamen Aktion der arabischen und jüdischen Journalisten gegen die Maßnahmen der Regierung. Der Vorschlag wurde diskutiert und von der Mehrheit der arabischen Presse abgelehnt. Es war weder Zutrauen nqch Mut zu dieser Neuerung vorhanden,