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Palästina · 1930-12-01 · Heft 12 (Dezember 1930) · p. Seite 437

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 12 (Dezember 1930)
Article
Zehn Jahre jüdischer Landwirtschaft in Palästina
Date
1930-12-01
Page
Seite 437 (sequence 2)
Language
German
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Aber dieses Sichbescheiden mit dem Wenigen, ist nur eine Folge der isolierten Lage, der Abschließung dete primitiven Dorfes von der Außenwelt. Die neuen Verkehrswege bringen das Dorf aus seiner kümmerlichen Einsamkeit heraus und in ständigen Kontakt mit der Stadt. Die Neigung, den Lebensstandard zu heben, wird wach, ohne daß die Möglichkeit größer wird, die Produktionskräfte des Bodens zu erhöhen. Ufcid dann beginnt die Unzufriedenheit des Landarbeiters in seinem Zelt, beginnet die Flucht in die Stadt, mit ihren industriellen Möglichkeiten oder die Auswanderung nach überseeischen Ländern. Denn eine Modernisierung der Landwirtschaft ist ja nicht möglich, wenn nicht alle erwähnten Faktoren gründlich geändert werden. Es müssen hohe Produktionsziffern — Getreide bester Qualität, Hebung des Lebensstandards, größere Dichte der Bevölkerung — erreicht werden. Das Ziel ist klar und bestimmt, aber der W'eg, der zuni Ziele fuhrt^ ist lang und voller Hindernisse. Neuer Boden und neuer Initiativgeist ist für den Landwirt erforderlich. Ohne beträchtliche Investierungen kann dem Boden nicht seine ursprüngliche Kraft wiedergegeben, kann der Geist des Bauern, der wissen soll, wie er über den Boden zu herrschen hat, nicht erneuert werden. Die Umformung der Wirtschaft in der Getreidezone. Die Getreidewirtschaft ist eine einförmige Wirtschaft, die auf dem Zweifelder-Fruchtwechsel (Winter- und Sommergetreide) beruht und vom Körnerbau lebt. Jeder Dunam bringt 50 bis 60 Kilo ein; die allgemeine Einnahme aus einem Feddan (etwa 15Ö Dunam) beträgt 50 bis 60 Pfund pro Jahr. Der Fellache ist zu ewiger Armut verurteilt, wenn diese Wirtschaft in ihrer Urform bleibt. Die moderne gemischte Wirtscliaft erzielt aus einer ähnlichen Fläche einen Betratg von 250 bis 300 Pfund pro Jahr und sichert dem Bauer an'Getreide und barem Geld eine jährliche Reineinnahme von etwa 140 bis 180 Pfund. Die Modernisierung der Landwirtschaft bezweckt, die geringen Einnähmen der primitiven Betriebsform auf eine Höhe zu bringen, wie sie in landwirtschaftlich hochstehenden Ländern, wie in Dänemark, erreicht werden. Dies ist aber nur möglich, wenn eine Reihe die Produktion fördernder Maßnahmen getroffen werden, a) Erste gründliche Amelionration des Bodens, b) Hebung des Bodenertrages, c) Schutz der Erträge vor Schädlingen, d) Erhöhung der Ernteerträge der bestehenden Sorten, e) Einführung neuer Zuchtsarten, f) Vermehrung der Wirtschaftszweige, g) Aenderungen in der Betriebsweise. Die volle Wirkung aller Produktionsfaktoren hängt von einer glücklichen Kombination all dieser und einer Reihe anderer, sorgfältig und oftmals von Fall zu Fall auszuprobierender Verfahren und Erfahrungen ab. Von der primitiven Wirtschaft des Fellachen bis zur modernen gemischten Wirtschaft führt also ein langer dorniger Weg; dornig im einfachen Sinne des Wortes. Denn der Boden, der Weizen hervorbringt, der oftmals nicht bis an,s Knie heranreicht und in vielen Fällen mit den Händen gerissen werden muß, der nicht einmal mit einer Handsense und nur selten mit einer Maschine geerntet werden kann, ein solcher Boden bringt Dorngestrüpp, Disteln und Gräser in Manneshöhe hervor. Gegenüber der einförmigen Fellachenwirtschaft, die vom Körnerbau existier!}, ist die gemischte Wirtschaft aus verschiedenen Zweigen aufgebaut: Milchwirtschaft, Viehzucht, Geflügelzucht, Pflanzungen, Gemüse. Ihre innere Tendenz ist, die Pflanzen in Milch, Fleisch und Eier umzuwandeln. Der Fruchtwechsel wahrt zwischen den Stdffen, die dem Boden in Form der Ernten entnommen

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