Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1930)
- Article
- Zehn Jahre jüdischer Landwirtschaft in Palästina
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 436 (sequence 1)
- Language
- German
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436 Zehn Jahre jüdischer Landwirtschaft in Palästina« Von Dir. J. Eleazari Volcani (Wilkansky), Tel-Aviv. Der Autor, Leiter der Landwirtschaftlichen Versuchsstation, veröffentlichte anläßlich des Ablaufs der ersten zehn Jahre Nachkriegsarbeit in Palästina eine Uebersicht, aus der wir folgendes entnähmen: Der Krieg hat die Entwicklung der jüdsichen Landwirtschaft in ihrem Anfangsstadium unterbrochen. Der Verkehr mit der Außenwelt wurde eingestellt, es war kein Ausgangtor vorha/nden, um die landwirtschaftlichen Produkte hinauszusenden, es bestand keine Möglichkeit, die Hilfsmittel von außen, von denen der Fortschritt der Landwirtschaft abhängt, ins Land hereinzubekommen, Maschinen und Geräte, wissenschaftliche Instrumente, künstlicher Dünger, Heilmittel zur Bekämpfung verschiedener Krankheiten und Schädlinge, gutes Zuchtvieh konnte nur vom Ausland bezogen werden und fehlte die ganzen Jahre hindurch. Dazu kam noch als besondere Heimsuchung die Heuschrecke. Im Lande mangelte es an den notwendigsten mechanischen und biologischen Bekämpfungsmitteln. Organisationskraft, große Energie und Ueberlegungskunst haben den Kolonisten geholfen, die meisten Pflanzungen vor dem Untergang zu retten; sie brauchten aber Jahre voller Mühen, um sich ihr Anfangsvermögen wieder zurückzugewinnen. Der Mangel an Arbeitsvieh infolge der Beschlagnahmen hatte ihne-n die Möglichkeit genommen, die Pflanzungen zweckmäßig zu bearbeiten und die Folge war die Schwächung ihrer Widerstandskraft gegen Krankheiten und Plagen. Die Abschnürung von Auslandsmärkten, die Mehrkosten, die mit dejr durch den Petroleummangel verursachten Urnstellung der Irrigationseinrichtungen verbunden waren, haben die Pflanzungskolonien in große Schulden gerissen. Auch nach dem Friedensschluß wurden die Märkte nicht sofort wieder geöffnet. In vielen Ländern ist die Kaufkraft infolge des Sinkens der Valuta und des allgemeinen ökonomischen Niederganges gesunken. Alle schweren Anfänge, die mühevollen Versuche, die schon vor dem Kriege zur Förderung der Landwirtschaft eingeleitet wurden, waren umsonst gewesen. Im Jahre 1921 mußte man von neuem, mit neuen Kräften an den Aufbau der Grundlagen für eine moderne Landwirtschaft herangehen. Modernisierung der rückständigen Landwirtschaft. Die primitive Landwirtschaft lebt von einem doppelten Raubbau: „Raubbau am Boden" und „Raubbau an der Kraft des Bauern". Der Boden „verhungert", da er im Laufe von Generationen nur hergibt und niqlits zurückbekommt, um seine durch die vielen Ernten verkümmerte Kraft zu wahren. Der Bodenbearbeiter verhungert, da der Boden, der von Generation zu Generation salz- und nährstoffärmer wird, seine Nahrungsbedürfnisse nicht mehr decken kann. Folgende Kennzeichen charakterisieren daher die primitive Landwirtschaft: niedrige Produktionsziffern, Getreide geringfügiger Qualität, ein Lebensstandard noch unterhalb der Armutsstufe, ein ungenügender Arbeitslohn und geringe Bevölkerungsdichte, Da er keine andere Wahl hat, setzt der Landwirt seine armselige Existenz fort und betrachtet diese Lebensform als eine der unveränderlichen Naturtatsachen.