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Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 393

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Politik. Von Gerade Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
Date
1930-10-01
Page
Seite 393 (sequence 4)
Language
German
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innert und angedeutet, daß die christliche Minderheit nichts gegen das englische Mandat einzuwenden habe. Es ist das eine Politik, die wir aus dem Libanon gut kennen und die einen neuen Faktor in das Spiel der palästinensischen Kräfte bringen kann. Freilich kann man noch nicht abschätzen, ob es den Separatisten gelingen wird, einen wirklich lebensfähigen Verband zu schaffen und der arabischen Einigung einen wirklich ernsten Schlag zu versetzen. Das Bild des palästinensischen öffentlichen Lebens wird durch diese neue Spaltung noch unübersichtlicher und komplizierter. Der Staatssekretär für die Kolonien, Dr. Shiels, erhielt also unter den geschilderten Umständen nochmals einen Beweis dafür, daß Palästina eine Reihe von komplizierten Fragen bietet. Sein Empfang bei seinem Besuch im Lande war weder von jüdischer noch von arabischer Seite besonders herzlich. Es wurde bald klar, daß Shiels keineswegs gewillt war, während seines Besuches irgendwelche bindende Erklärungen abzugeben und es wurde bald ebenso deutlich, daß man ihm wenig neues Material zu unterbreiten hatte. Die Juden benützten nochmals, sowohl in der Presse, wie auch in den verschiedenen Zusammenkünften in Städten und Kolonien die Gelegenheit, ihre zahlreichen Beschwerden vorzutragen. Das unmittelbare Resultat war eine scharfe Ablehnung der Angriffe gegen die Administration durch den Staatssekretär und neuerliche Hinweise auf die Notwendigkeit einer Kooperation zwischen der Regierung und den verschiedenen Bevölkerungsteilen. Im Uebrigen ergaben die] diversen Besprechungen wenig neues. Dr. Shiels lehnte jede Aeußerung in Hinblick auf die zu erwartenden Regierungserklärungen ab. Man hat sich im Lande bei diesem Besuch gefragt, warum die Londoner Regierung trotz des umfassenden Materials, das sie bereits in Händen hatte^ es noch für nötig hielt, vor der Veröffentlichung der politischen Erklärung einen ihrer höchsten Beamten zu einer letzten Umschau nach Palästina zu entsenden. Und die unmittelbare Veröffentlichung des Weißbuches nach der Abreise des Staatssekretärs gibt dieser Frage weiteren Nachdruck. Man wird kaum fehlgehen, wenn man dem Besuch von Shiels noch andere Ziele zuschreibt als die Behandlung der jüdischen Frage und der palästinensischen Konstitution. Eine Mittelmeerreise des Kolonialsekretärs gehört zur Tradition des Colonial Office und ist eine beliebte Gelegenheit zur Behandlung interterritorialer Fragen des Imperiums. Palästina nimmt in diesem Zusammenhang heute eine hervorragende Stellung ein. Die Vorarbeiten der lange projektierten Bahn Bagdad—Haifa werden in Angriff genommen und der Bau des Haifa-Hafens schreitet mit bedeutsamer Schnelligkeit vorwärts. Man hatte zu Beginn des Unternehmens mit einer Arbeitszeit bis zum Jahre 1935 gerechnet und heute spricht man bereits davon, daß man ein bis zwei Jahre früher fertig werden könnte. Es ist also reichlidh Anlaß für eine Erörterung der außenpolitischen Fragen zwischen dem Staatssekretär und den Spitzen der palästinensischen Administration gegeben. Wie diese Erörterungen verliefen, darüber drang nichts in die Oeffentlichkeit. Denn auf die Formung der Außenpolitik des Landes hat unter dem herrschenden Regime die Bevölkerung keinerlei Einfluß. Mit der Veröffentlichung der Regierungserklärung sind die Ereignisse im jüdischen Lager wieder in reißenden Fluß gekommen. Der Waad Leumi hat bereits eine Deklaration veröffentlicht, die an Schärfe alle bisherigen Proteste, auch die bei der Sperrung der Einwanderung, weit übertrifft. Die Stellungnahme der Vertretung der palästinensischen Judenheit entspricht dei

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