Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Politik. Von Gerade Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 394 (sequence 5)
- Language
- German
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der leitenden Instanzen in London und New York. Implizite ist hier bereits die Ablehnung des vorgeschlagenen Legislative Council und ein Wahlboykott enthalten. „Wir werden uns an keiner parlamentarischen Institution beteiligen und keine anerkennen, die dazu angetan ist, den Aufbau unseres Landes zu beeinträchtigen", heißt es in dem genannten Dokument. Hierin ist eine Politik formuliert worden, die bisher noch nicht deutlich verkündet war. Noch in der vorletzten Sitzung des Waad Leumi, die nach dem Besuche von Shiels stattfand, klangen andere Tendenzen an. Damals wurde erklärt, daß die Juden sich nur dann an einem Legislative Council beteiligen würden, wenn seiner Proklamierung Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der Agency vorausgingen und zugleich eine gemeinsame jüdisch-arabische Konferenz einberufen würde. Diese beiden Bedingungen sind nicht erfüllt worden und damit und durch den Proteststurm gegen die Stellung der Regierung ist im Jishuw der Beschluß, die vorgezeichnete Politik Englands mit allen Mitteln zu bekämpfen, mit einem Schlage zur Reife gekommen. Es ist bezeichnend, daß diese Verschärfung der Gegnerschaft mit einer reißenden Schnelligkeit vor sich ging und es kaum eine Strömung gab, die sich dieser Wendung entgegenstellte. Erleichtert wurde diese Entwicklung in hohem Maße durch die Aktionen und Aeußerungen Weizmanns und Warburgs, die zugleich mit den Londoner Berichten nach Palästina gelangten. Die Reaktion der Araber auf die Londoner Erklärung ist noch etwas in Dunkel gehüllt. Es sind Zeichen für innere Meinungsverschiedenheit vorhanden, was die Beteiligung am Legislative Council betrifft. Aeußerungen für und gegen die Annahme der vorgeschlagenen Konstitution lösen einander ab. Die entscheidende Diskussion wird erst einsetzen, wenn der volle Text des Weißbuches zur genauen Prüfung vorliegt. In jedem Falle ist die Entwicklung der nächsten Wochen sehr unklar. Die Kluft zwischen den Juden und der Administration hat sich vertieft, und zwar in einem Maße, daß ein Abbruch? der Beziehungen nicht unmöglich scheint. Von keiner Seite wird die Konstitution mit Freude aufgenommen. Die Juden betrachten sie im Zusammenhang mit den übrigen angekündigten Maßnahmen als eine Bedrohung ihres Werkes;, die Araber nur als einen kleinen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Selbst1regierung. Und während sich der Riß zwischen England und den Juden verbreitert, sind keine Anzeichen einer Annäherung zwischen Juden und Arabern zu bemerken. Die innere Zerrissenheit und die Konflikte im Land sind also auf dem Wege, stärker und häufiger zu werden. Mit der Veröffentlichung des Weißbuchs ist vorläufig nur noch eine Komplikation der Lage eingetreten und keineswegs eine Klärung der Situation, wie man es vielleicht erhofft hätte. JEWISH AGENCY. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin. (Nach Schluß der Redaktion.) In den letzten Wochen überstürzen sich die Ereignisse. Die Entwicklung geht so schnell vor sich, daß es schwer fällt, in einem bestimmten Zeitpunkt ein Referat über den Stand der Angelegenheiten der Jewish Agency abzuschließen, da sich die Lage wieder verändert haben dürfte, bevor diese Zeilen dem Leser zu Gesicht kommen. Nach Schluß der Redaktion des vor-