Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Politik. Von Gerade Arlosoroff-Goldberg, Tel-Aviv.
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 392 (sequence 3)
- Language
- German
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gierung, wie auch zu arabischen Fragen. Im arabischen Lager hat sich dagegen in den letzten Monaten eine Entwicklung angebahnt, welche die ungebrochene Einheitsfront, die sich nach den Unruhen bei den Arabern mit einem Schlage gebildet hatte, zu sprengen droht. Vor dem August 1929 zeigte das palästinensische Arabertum eine beträchtliche Zerklüftung. Die führenden Familien pflegten ihre traditionellen Streitigkeiten, zwischen den alten Führern und der jungen Generation klaffte ein Gegensatz, gemäßigte und radikale Gruppen zeichneten sich gegeneinander ab und die alten Kämpfe zwischen der Masse der Moslems und der christlichen Minorität zeigten überall ihre Spuren. Mit den Unruhen verschwanden diese Gegensätze wie mit einem Zauberschlage und Monate hindurch, ungefähr bis zum Abschluß der Shaw-Untersuchung, zeigte sich eine ungebrochene und geeinigte arabische Front, die von der Zurückstellung aller inneren Zwistigkeiten beredtes Zeugnis ablegte. Mit der Wahl der Londoner Delegation deuteten sich wieder innere Kämpfe an. Aber der Riß konnte diesesmal noch geheilt werden und die moslemisch-christliche Union trug noch einmal ihre Früchte in der gemischten Zusammensetzung der Londoner Delegation. Im Laufe des Sommecrs zeigten sich jedoch stärkere Tendenzen zu einer Zersplitterung, die jetzt überhand zu nehmen drohen. Es begann mit einem politischen Kampf zwischen dön „Gemäßigten", die sich von Verhandlungen mit England eine Förderung dejr nationalen Politik versprachen und den Radikalen, den Anhängern des „Istaklal", die auf absolute Unabhängigkeit abzielen und sich von den gemäßigten Verhandlungsmethoden nichts mehr versprechen. Diese Bildung verschiedener Gruppen — es tauchten im Laufe der Zeit verschieden nuancierte Verbände auf — braucht freilich noch nicht notwendig als ein Zeichen der Zersplitterung bewertet zu werden. Parteibildungen sind eine natürliche Folgeerscheinung politischen Erwachens und können in allen Ländern des nahen Ostems, die unter fremder Oberhoheit stehen, in ähnlichen Formen beobachtet werden. Es kamen jedoch weitere Symptome dazu. Die Rivalität einzelner Führer und Führergruppen kam von neuem zum Ausdruck und schließlich wurde die neugeschaffene moslemischchristliche Einheit ernstlich bedroht. Besitzstreitigkeiten zwischen einer moslemischen und einer christlichen Gemeinde in Haifa führten zu einem Konflikt, der mit der Ermordung eines Christen einen ernsten Charakter annahm. Die dadurch entstandene Erregung blieb nicht auf Haifa beschränkt und erweckte auch an anderen Stellen des Landes ein lebhaftes Echo. Zum erstenmal nach längerer Zeit erschallte wieder der Ruf nach gesonderten christlichen Verbänden. Diese Losung ist heute ein Streitpunkt unter den Christen. Ein Teil setzt sich für die Erhaltung der moslemisch-christlichen Instanzen ein, die als Ausdruck des arabischen Strebens nach Einigkeit angesehen werden sollen. Ein anderer, der heute laut vernehmbar ist, verlängt die Bildung einer gesonderten christlichen Vertretung. Die leitenden Instanzen haben verschiedene Versuche gemacht, den Bruch zu heilen, bisher jedoch ohne Erfolg. Die verschiedenen Appelle und Vejrsöhnungsversuche blieben vergeblich. Dagegen konnten es die Separatisten fertig bringen, dem Staatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels bei seinem Aufenthalt in Haifa ein Spezialmemorandum über die Stellung der Christen zur Palästinapolitik vorzulegen. Es ist heute noch schwer zu beurteilen, welche numerischen und geistigen Kräfte hinter dieser Aktion stehen, aber von hohem Interesse sind die in dem Memorandum anklingenden Gedankengänge. Hier wird an den Schutz der Minoritäten er-