Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Milchwirtschaft als Grundlage der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 382 (sequence 7)
- Language
- German
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einer weiteren genauen Prüfung, deren Ergebnis außerordentlich interessant ist. Er bestätigt seine ersten Feststellungen, daß die Käseproduktion als Hauptgewerbe uns keine sehr großen Erfolgschancen verspricht. Dies leuchtet auch ein, wenn wir an die glänzend eingeführten und in ihrer Qualität gar nicht zu überbietenden Schweizer und Holländerkäse denken. Die Butterproduktion ist zwar im Prinzip sehr wohl möglich. Zwar hätten wir hier eine sehr schwere Vorarbeit zu leisten, nämlich die verschiedenen Milchlieferanten zu einer so gleichmäßigen Qualität ihrer Milch zu bringen, daß aus der Butter eine wirkliche Qualitätsware gemacht werden kann. Auch Dänemark und die Schweiz haben hieran sehr lange arbeiten müssen. Aber die Butterproduktion hat eine andere, speziell palästinensische und jüdische Schwierigkeit. Sie ist nämlich in allen Ländern wegen ihrer Nebenprodukte (Magermilch) ganz eng mit der Schweinezucht verbunden, da diese Magermilch eines der besten Futtermittel für die Schweinemästung darstellt. Wilkanski hat ganz richtig festgestellt, daß für die meisten Bauern in Europa, die ihre Milch entweder selbst zu Butter verarbeiten oder sie ihren Genossenschaften zur Verarbeitung übergeben, die Schweinemast der wichtigste und vor allem rentabelste Teil ihres Betriebes ist. Hier besteht also für Palästina ein sehr ernstes Hindernis. So kommt Wilkanski, etwas im Gegensatz zu seinen Forderungen in der ersten Broschüre, zu dem Ergebnis, daß die kondensierte Milch das eigentliche Produkt sein muß, welches unserer Milchindustrie Eingang in den Weltmarkt verschaffen wird. Hiefür sprechen eine Reihe wichtiger Vorteile; nicht nur, daß die Herstellung solcher in kleineren Fabriken, die keine allzu große Kapitalinvestition brauchen, möglich ist (eine rentable Fabrik ist schon mit zirka 3350 Pfund zu errichten), vor allem ist auch der Absatz der Produktion außerordentlich sicher. Insbesondere verbrauchen gerade Länder, die uns geographisch sehr nahe liegen, einen sehr großen Teil der Weltmarktproduktion. Hiezu gehören außer Syrien, Aegypten, Griechenland, vor allem die Länder Südafrikas. Wilkanski hat in ausführlichen Gutachten unter anderem auch seitens englischer Regierungsstellen feststellen lassen, daß eine Produktion von kondensierter Milch ohne Schwierigkeiten ihren Absatz in den oben angeführten Ländern finden könnte. Besonders wichtig ist, daß bei der Herstellung von kondensierter Milch die Nebenprodukte für Palästina außerordentlich gut verwendet werden können; sie sind nämlich für die Geflügelzucht geeignet,. die in Palästina in den letzten Jahren insbesondere für Eierproduktion bereits sehr hoch entwickelt war, gerade unter dem Mangel eines billigen Futtermittels litt. Hier ist ein Weg diesen Mangel auf das Günstigste zu beseitigen. So schließt der Kreis der Untersuchungen von Wilanski in engere Zusammengehörigkeit seiner beiden Broschüren. Der Beweis ist durch alle Methoden absolut schlüssig erbracht, durch Berechnung, durch Analyse, durch Musterbeispiele und Vergleich: daß wir in Palästina die Möglichkeit haben, die gesamte Landwirtschaft, dort wo sie nicht Orangen oder andere hochwertige Pflanzungsprodukte herstellt, auf Milchwirtschaft als Hauptproduktionszweig umzustellen und damit ein gesundes System unserer Kolonisation zu entwickeln, das eine Einwanderung von einer großen Zahl von Landwirten erlaubt, denen ein sicheres und auskömmliches Leben gewährleistet werden kann. Wiskanski berechnet, wenn es einmal erlaubt sei, wirklich weite Perspektiven zu öffnen, daß auf den in Palästina zur Ver-