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Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 381

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Milchwirtschaft als Grundlage der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina
Date
1930-10-01
Page
Seite 381 (sequence 6)
Language
German
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Waren. In Dänemark ist der niedrigste Preis, zu dem eine rentable Milcherzeugung für den Bauern möglich ist, nicht unter 1 P;t, in der Schweiz sogar nicht unter 1.2 Pt. In Palästina zeigt eine genaue Analyse der Produktionsfaktoren, daß in allen Teilen des Landes eine weitgehende Erweiterung der Milchproduktion ebenfalls möglich ist, und zwar zu Bedingungen, die uns gestatten, mit den Vergleichsländern auf dem Weltmarkt erfolgreich zu konkurrieren. Die sehr genauen Berechnungen Wilkanskis zeigen, daß die Futterproduktion auf unbewässerten Böden sehr rentabel sein kann, daß gerade Palästina sogar den Vorzug hat, bei einem vernünftigen Fruchtwechsel von den Nachteilen einer wechselnden Saison sehr unabhängig zu sein. Durch genügende Vermehrung der Zahl der Kühe pro Bodeneinheit kann der Milchpreis auf 1.2 bis 1.5 Pt per Liter gesenkt werden. Die heute im Lande übliche Rinderrasse kann durch geeignete, bereits erprobte Zuchtmaßnahmen soweit verbessert werden, so daß sie an Produktivität den Rassen in der Schweiz und in Holland oder Dänemark gleichkommt. Ebenso wird sehr genau nachgewiesen, daß auf bewässerbaren Böden, je nach System, der Milchpreis bis auf 0.84 bezw. 1.07 Pt pro Liter gesenkt werden kann. Die natürlichen Weiden werden jedoch in Palästina nur in der Zeit des Ueberganges eine gewisse Rolle spielen können. Nachdem auch diese Prüfung positiv ausgefallen ist, der erreichbare Mindestpreis absolut konkurrenzfähig ist, sind die Aussichten für unsere Milchproduktion sehr erfolgversprechend und ermutigend. Die Hauptgefahren liegen in der Zeit des Ueberganges. Der heutige durchschnittliche Preis, der eine Milchproduktion der Mehrzahl der Betriebe zu erträglichen Bedingungen gestattet, liegt bei 2 Pt. Eine mechanische, überstürzte Preisherabsetzung würde die ganze Landwirtschaft erschüttern. Der Uebergang wird sich also langsam und allmählich vollziehen müssen und stellt zunächst folgende Aufgaben: 1. Erhöhung der Fruchtbarkeit des Bodens und Erhaltung seiner Fruchtbarkeit durch geeigneten Fruchtwechsel, unter starker Heranziehung von Klee und Luzerne (letzteres Problem wurde schon vor Jahrzehnten von Auhagen richtig erkannt). ^. 2. Wesentliche Verbesserung des heutigen Rindviehs durch Zucht und Auslese. Hierbei ist für die nahe Umgebung der Städte ein ausgesprochenes Milchvieh vorzuziehen, während für die entfernter liegenden Kolonien Rinderrassen mit ausgeglichener Leistung für Milchmenge, Fettgehalt und Fleischproduktion den Vorzug verdienen. 3. Allerhöchste Bedeutung haben jedoch alle Fragen der Organisation. Hierzu gehören: Haltung des Viehes — Stallhaltung ist in Palästina eine absolute Notwendigkeit —, Verkauf der Produkte durch zentrale Genossenschaften (worin, wie wir oben sahen, indessen schon einiges erreicht wurde), Organisierung des Binnenmarktes, Qualitätssteigerung, Standardisierung und stetige Kontrolle der Marktprodukte, wissenschaftliche Kontrolle, Weiterarbeit und Verbreitung der gewonnenen Kenntnisse durch einen genügenden Lehrapparat (Extension). Während Wilkanski in seiner ersten, 1928 erschienenen Broschüre noch vorschlägt, daß die palästinensische Milchwirtschaft im wesentlichen auf der Herstellung und dem Vertrieb von Butter aufgebaut sein soll, so unterzieht er diese Frage in seiner zweiten Broschüre, nach seiner Studienreise, noch

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