Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Milchwirtschaft als Grundlage der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 380 (sequence 5)
- Language
- German
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Milch hier so billig herzustellen, daß sie zu den gleichen Preisen in den Handel gebracht werden kann, wie die seiner Konkurrenten. Dabei spielen bei einem Produkt, dessen Wert im Verhältnis zu seinem Umfang sehr hoch ist, die Transportkosten eine ganz untergeordnete Rolle. Aus einer sehr ausführlichen monographischen Behandlung der milchproduzierenden Länder ergibt sich, aus den Zahlen Wilkanskis zusammengestellt, folgender Milchpreis für die einzelnen Länder: Tabelle IL Großhandelsdurchschnittspreise für Milch in Exportländern. 1923 1925 1927 Piaster Dänemark 1.00 1.05 1.00 Holland 1.33 1.34 1.35 Schweiz 1.05 1.09 1.12 Neu-Seeland 1.65 2.00 — Wir sahen auf Tabelle I, daß der zurzeit günstigste Herstellungspreis bei fertigen Milchfarmen im Durchschnitt 1.3 Pt beträgt, im Minimum 1.2 Pt. Theoretisch müßte also der Eingang in die Reihe der oiben betrachteten Milchexporthändler möglich sein. Dies wird noch wahrscheinlicher wenn wir aus den neueren Zahlen Wilkanskis ersehen, daß die „Tenuwah", die Verkaufsgenossenschaft der meisten Arbeiterwirtschaften, ihren Genossen für Industriemilch im Minimum auch jetzt bereits, z. B. in Haifa, nur 1.27 Pt bezahlt. Wilkanski unterzieht aber nun die für einen Vergleich in Frage kommenden Länder noch einer genaueren Analyse, und zwar zunächst nach schriftlichen Quellen, die er auf seiner Studienreise durch direkte Anschauung ergänzte. Die wichtigsten Länder des Vergleiches, Schweiz und Dänemark weisen folgende hervorstechende Charakterzüge ihrer Milchwirtschaft auf: In beiden Ländern herrscht der Kleinbetrieb vor (in der Schweiz sind es 82.8 Prozent, in Holland 72.9 Prozent, in Dänemark 52.9 Prozent). Der Anteil des Produzenten am Milchpreis beträgt in Dänemark 60 bis 75 Prozent des Verkaufspreises, in der Schweiz 70 bis 75 Prozent. In Palästina betrug der Anteil 48 Prozent, nach den letzten Zahlen bei der bereits oben genannten Gesellschaft „Tenuwah" zwischen 54 und 62 Prozent, je nach der Stadt des Verkaufes. (Der Anteil der „Tenuwah" am Milchumsatz in den drei wichtigsten Städten betrug 1929 zirka 40 Prozent.) Die Erfolge der Milchwirtschaft in den Vergleichsländern beruhen nicht etwa auf einer besonderen Fruchtbarkeit des Bodens, sondern vor allem auf der Intelligenz und Organisationsgeschicklichkeit ihrer Bewohner. In kurzer Zeit wurden, während der entscheidenden Entwicklungsjahre, in Dänemark 1400 Genossenschaften organisiert, während in der Schweiz derzeit 3340 Genossenschaften bestehen. Auf seiner letzten Studienreise hat nun Wilkanski mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, welche öffentlichen Mittel den Ländern zur Verfügung stehen. Sie betrugen für die verschiedenen Institute, wie Versuchstationen, Schulen und Hochschulen, landwirtschaftlichen Mittelunterricht usw., zusammengefaßt in Holland 2.6, in der Schweiz 1.85 Millionen Pfund im Jahre 1928. Der Erfolg der Länder auf dem Weltmarkt beruht nun aber, was besonders wichtig festzustellen ist, nicht etwa auf der besonderen Billigkeit, zu der sie liefern können, sondern nur auf der Qualität ihrer