Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 379

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Milchwirtschaft als Grundlage der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina
Date
1930-10-01
Page
Seite 379 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379883-2379890-2392142--11229-2392376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kosten der Produktion sind nur herabzusetzen wenn die Nachfrage genügend groß ist. Die Nachfrage aber ihrerseits ist von der Höhe des Preises absolut und direkt beeinflußt. Hier angelangt begegnen wir weiter der entscheidenden Feststellung, daß der Binnenmarkt heute bereits für die Erzeugung von Frischmilch gesättigt ist. Eine wesentliche Möglichkeit seiner Erweiterung liegt in der Ausschaltung des Imports. Eine andere darin, den Milchpreis so niedrig zu gestalten, daß auch die ärmere Bevölkerung in den Städten zu Milchkonsumenten werden kann. Im gewissen Maße sind auch hier bereits nicht uninteressante Erfolge erzielt worden. Während im Jahre 1926 bis 1927 die Einfuhr von Milchprodukten (nach der üblichen Methode in Liter roher Milch umgerechnet) im ganzen noch 13.47 Millionen Liter Milch ausmachte, so sank dieser Betrag im Jahre 1928 bereits auf 9.58 Millionen Liter, wobei nicht nur die Nachfrage gesunken, sondern auch die Eigenproduktion erheblich gestiegen war. Im Kampf um den inneren Markt wird vor allem die ausländische Buttereinfuhr zu bekämpfen sein. Bei der Herstellung von Butter und unter Ausnützung der Restprodukte zu landesüblichem Käse, bleiben dem Produzenten nach genauer Rechnung, unter Zugrundelegung der heutigen Preise, zirka 1.7 Pt pro Liter. Auch jetzt schon wird, aJußer in Tel-Aviv, ein noch niedriger Preis für Industriemilch bezahlt. Um jedoch den Konsum inländischer Butter wesentlich erhöhen zu können, muß der Preis von 12 Pt au(f 8 Pt per Verkaufseinheit (zirka 250 g) herabgesetzt werden. Bei einem solchen Betrag würde der Preis des ersten Produzenten, unter der Voraussetzung daß alle Beteiligten eine proportionale Herabsetzung erleiden, auf zirka 1.5 Pt kommen. Dieser Preis ist für eine gut geführte Wirtschaft durchaus tragbar und eine Erweiterung der Produktion auf dieser Basis ist landwirtschaftlich durchaus möglich. Aber die Konsumkraft des Landes ist trotz allem eine sehr beschränkte. Wenn man selbst annimmt, daß der Milchkonsum des einzelnen Einwohners pro Jahr von 36.5 Liter wie heute, auf 150 Liter (entsprechend den Zahlen anderer Länder) gesteigert wird, so kommen als eigentliche Konsumenten heute doch nur zirka 120.000 Leute in Frage. Das bedeutet einen Konsum von 18 Millionen Liter Milch im Jahr. Es ist leicht zu berechnen, daß nach einer solchen Preissenkung und Steigerung der Produktion ein im Verhältnis sehr geringes Bodenareal mit entsprechend organisierten Milchfarmen nötig ist, um die vorhandenen Bedürfnisse zu decken. Auch die Immigration und die natürliche Vermehrung der Bevölkerung vermag noch nicht die Grundlage zu einem entscheidenden Wachstum der Milchproduktion abzugeben. Denn für diesen Zuwachs sind je nach Betriebssystem minimal 2500 bis maximal 20.000 Dunam Land pro Jahr nötig. Alle Aussichten auf Vermehrung des Milchabsatzes im Inland reichen kaum aus, um eine Umstellung der bisher existierenden Betriebe, die hierfür geeignet sind, zu gestatten!. Aber um die Milchwirtschaft nicht nur zu einem Mittel besserer Betriebsorganisation der heutigen Landwirtschaften zu machen, sondern zur Grundlage einer vermehrten und weite Perspektiven auf Bevölkerungszuwachs weisenden landwirtschaftlichen Kolonisation überhaupt, bleibt nur der eine Weg: die Eroberung der fremden Märkte. Ob Palästina sich Eingang in die Länder verschaffen kann, die im Welthandel Konsumenten von Milch und ihrer Produkte sind, ist wiederum davon abhängig, ob die allgemeinen Produktionsfaktoren in Palästina gestatten, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.