Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Die Bekämpfung der Malaria, unter besonderer Berücksichtigung Palästinas
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 374 (sequence 16)
- Language
- German
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sehr maßgebend sind, als die Verschiedenheit in der ökonomischen und sozialen Lage der Bewohner.16) Und so begegnen wir überall der Erscheinung, daß die ärmste, rückständigste Bevölkerung der Malaria am meisten Opfer stellt. „Die Malaria ist eine Krankheit der Unkultur".17) Und darum erweist sich die „allgemeine Bonifikation", welche Unkultur in Kultur verwandelt, als eine der wichtigsten Waffen im Kampf gegen Malaria. Ihr gebührt daher ein wichtiger Platz im Rahmen dieser Darstellung. Es liegt auf der Hand, daß ihre Wohltat sich erst innerhalb längerer Zeiträume auswirken kann. Daher kommt die vielfach beobachtete Erscheinung, daß die unmittelbaren Bekämpfungsmethoden nicht sofort ihre Wirkung äußern, sondern erst geraume Zeit später, wenn die allgemeine Bonifikation nachfolgt und allmählich ihren günstigen Einfluß erkennen läßt. Der Kampf gegen die Malaria ist somit niemals als eine gesonderte, isolierte Aufgabe zu betrachten, sondern als Teil eines ganzen Kulturwerks zu behandeln. Die Möglichkeiten der Malariabekämpfung sind sehr vielgestaltig. Es gibt unter ihnen kein Allheilmittel, das in allen Fällen Erfolg verspricht. Vielmehr ist die Bekämpfung der Malaria — weit mehr als die irgendeiner anderen Infektionskrankheit — ein örtlich differenziertes Problem. Es ist daher unzulässig, sich an „bewährte Vorbilder" anzulehnen und anderwärts erprobte Methoden ohne Weiteres zu übernehmen. Vielmehr erfordert jeder Sonderfall sorgfältige Vorarbeiten, deren Aufgabe ist, festzustellen: Art der Malaria, Stärke und Zeit ihres Auftretens, die schädlichen Anophelesarten und ihre Lebensgewohnheiten, die meteorologischen Verhältnisse (insbesondere Nieder*- schlage, Temperatur und Luftfeuchtigkeit), Bodenbeschaffenheit, Wasservorkommen auf und unterhalb der Oberfläche, Vegetationszustand sowie schließlich die Lebensbedingungen der Bevölkerung. Das Ergebnis dieser Vorarbeiten bestimmt die Wahl der für den Einzelfall geeigneten Bekämpfungsmethoden- Wenn, wie es wohl meist der Fall ist, die zur Verfügung stehenden Mittel Beschränkungen auferlegen, ist es richtiger, die Zahl der anzuwendenden Methoden zu verringern, diese aber möglichst vollständig und wirksam durchzuführen.!In allen Fällen ist es aber geboten, gleichzeitig energische Maßnahmen zu ergreifen, um die wirtschaftliche Lage und den Lebensstandard der von der Malaria heimgesuchten Bevölkerung zu heben. Die Schlußfolgerungen für unsere palästinensischen Verhältnisse liegen auf der Hand. Große Anstrengungen sind zur Bekämpfung der Malaria gemacht und unzweifelhafte Erfolge erzielt worden. Und doch ist der Bann der Krankheit bei weitem nicht gebrochen und ein sehr ausgedehntes Arbeitsfeld bleibt noch offen. Da von der Regierung eine größere Aktivität, als bisher, nicht zu erwarten ist, so sehen wir uns im Wesentlichen auf unsere eigenen Kräfte angewiesen. Dies legt uns die erhöhte Pflicht auf, den Malariakampf zu einem möglichst hohen Wirkungsgrad zu verstärken und alle verfügbaren Kräfte auf ihn zu konzentrieren. Die malariabedrohten Siedler sind in höherem Maße, als bisher, zu verantwortlicher Mitarbeit heranzuziehen. Sie müssen dazu erzogen werden, die Anlagen der hydraulischen Bonifikation in wirk- 16) James, Malaria at Home and abroad, pp. 104. 154, 1198. 17) Zieman, Malaria und Schwarz Wasserfieber, p. 404.