Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Die Bekämpfung der Malaria, unter besonderer Berücksichtigung Palästinas
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 375 (sequence 17)
- Language
- German
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samem Zustand zu erhalten, wie auch gewisse einfache Bekämpfungsmethoden selbständig anzuwenden, die den Erfolg jener oft wesentlich steigern. Besondere Aufmerksamkeit gebührt der „allgemeinen Bonifikation". Wie bereits eingangs betont, mögen unsere Einwanderer, die im Allgemeinen aus günstigeren Lebensverhältnissen in schlechtere hinuntersteigen, dem Angriff der Malaria nur verringerte Resistenz entgegenzusetzen. Daraus erwächst die Notwendigkeit, die neuen Lebensbedingungen so zu gestalten, daß die Körperkonstitution in ihrem Widerstand gegen die Infektionsträger nachdrücklich unterstützt wird. Dies ist bisher in unzureichendem Maße geschehen. Einer der Hauptfaktoren ist z. B. die Wohnfrage. Die übliche Unterbringung in Zelten und behelfsmäßigen Baracken, die an sich unhygienisch sind und auch keinerlei mechanischen Moskitoschutz zulassen, erleichtert von vornherein den Krankheitserregern den Angriff. Und den Wohnverhältnissen entsprechen auch mehr oder minder die sonstigen äußeren Bedingungen. Es ist daher kein Wander, daß die Erkrankungsziffer der ländlichen Arbeiter jene der in besseren VerL hältnissen lebenden Kolonisten wesentlich übersteigt und in ungünstigen Zeiten zu erschreckender Höhe hinaufschnellt. In vielen Fällen ist dauernde Schwächung der Gesundheit die Folge: das bedeutet Raubbau an einem unersetzlichen Kapital. Und ähnlich steht es mit jenen Arbeitern, die, meist nach vielen Jahren von Leiden und Entbehrungen, endlich zur langerstrebten Ansiedlung gelangen. In der Regel bleibt die Ausstattung der neuen Siedler aus Sparsamkeit weit unter dem notwendigen Erfordernis, aber diese Ersparnis erweist sich ä la longue, als das Gegenteil. Die Unvollständigkeit der Einrichtung übt eine doppelt schädliche Wirkung aus: direkt, indem sie das wirtschaftliche Gelingen der landwirtschaftlichen Siedlungen ersehwert, indirekt dadurch, daß sie günstige Bedingungen für die Malaria bietet, wodurch die Arbeitsleistung erheblich und oft dauernd heruntergesetzt wird. Schon in anderen Ländern, wo es sich nur dajrum handelt, eine bereits ansässige Bevölkerung in bessere Verhältnisse zu versetzen, ist die „Allgemeine Bonifikation" eine unerläßliche Ergänzung des Malariakampfes. Um wie viel mehr ist sie in Palästina eine conditio sine qua non! Denn hier liegt die viel schwerere Aufgabe vor, aus ganz anderen Verhältnissen stammende Menschen zu Lebens- und Arbeitsformen überzuführen, die durchaus neue und ungewöhnlich schwere Anforderungen an sie stellen. Das Kulturwerk, an dessen Schaffung wir hier arbeiten, muß in voller Breite und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entwickelt werden. Zu diesen gehört mit in erster Reihe der Kampf gegen die Malaria. Zwar ist hier, ebensowenig wie anderswo, zu erwarten, daß sich die Krankheit vollständig ausrotten läßt. Es kann aber trotzdem erreicht werden, daß die Malaria in ihrem Umfang erheblich eingeschränkt und vor allem ihres gefährlichen Charakters beraubt wird, und somit18) „aufhört, eine wichtige Ursache von Krankheit und Tod zu sein." *8) Völkerbund, Second General Report, p. 12.