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Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 373

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Die Bekämpfung der Malaria, unter besonderer Berücksichtigung Palästinas
Date
1930-10-01
Page
Seite 373 (sequence 15)
Language
German
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wiederum an anderen Orten eine wesentliche Einschränkung der Malaria auch ohne besondere Bekämpfungsmaßnahmen und ohne Verminderung der Moskiten eingetreten — ein Zustand, der als „Anophelismus ohne Malaria" bezeichnet wird. Z. B. ist die Krankheit in Holland, das früher einer der Hauptmittelpunkte der Malariainfektion in Europa war,14) während des letzten Jahrhunderts stark zurückgegangen, und wo sie noch auftritt, erscheint sie in einer leichten Form. Dabei ist die Zahl der Anophelien eher noch vermehrt worden, denn durch die seit Jajirhunderten durchgeführten und fortlaufend erweiterten kulturtechnischen Arbeiten wächst die Ausdehnung des Kanalnetzes ständig. Die Ursache dieses scheinbaren Widerspruches liegt in der Ökonomie sehen und kulturellen Wirkung jener Meliorationsarbeiten, die den Ertrag des Bodens außerordentlich gesteigert und dadurch den Wohlstand und das gesamte Lebensniveau der Bevölkerung gehoben haben. Was in Holland als eine unbeabsichtigte Nebenwirkung wirtschaftlicher und technischer Maßnahmen eingetreten ist, ist in einem anderen europäischen Land seit langem bewußt und energisch angestrebt und durchgeführt worden. Italien hat seinen Malariafeldzug genau vor einem Jahrhundert begonnen und im Laufe der letzten Jahrzehnte mit verstärkter Intensität durch gesetzgeberische und praktische Maßnahmen weitergeführt. Hier werden die Bekämpfungsmethoden, unter ihnen besonders die hydraulische Bonifikation, auch Melorationszwecken dienstbar gemacht und systematisch verbunden mit der zielbewußten Hebung der gesamten Lebensverhältnisse, die unter dem Namen „allgemeine Bonifikation" zusammengefaßt wird. Die vorher unter kümmerlichen Verhältnissen in den Sumpfgegenden wohnende Bevölkerung wurde durch jene Arbeiten in den Stand gesetzt, mittels intensiver Methoden aus dem Boden einen weit höheren Ertrag herauszuwirtschaften. Ihre Zahl vermehrt sich, die Siedlungen wachsen und erhalten die Wohltat zentraler Wasserversorgung und anderer öffentlicher Einrichtungen, das Wegenetz verdichtet sich. Die primitiven engen Behausungen weichen massiven, weiträumigen Gebäuden, die schlechten Ernährungsverhältnisse ändern sichlö), ärztlicher Dienst und hygienische Verbesserungen vermindern die Krankheitsfälle. Nicht zuletzt macht auch die kulturelle Förderung, Verbesserung des Schulwesens und all-« gemeine Aufklärung ihre Wirkung geltend und krönt das Werk der allgemeinen Bonifikation. Diese wirtschaftliche, soziale und kulturelle Hebung dest Gesamtniveaus erhöht die Widerstandskraft der Bevölkerung derart, daß die Malaria in ihrem Auftreten und ihren Wirkungen eingedämmt und abgeschwächt wird. Selbst in weniger entwickelten Ländern machen sich ähnliche Wirkungen geltend. Dies ist z. /B. der Fall in Ostindien, dais' zu dpn von der Malaria am stärksten heimgesuchten Ländern gehört (in normalen Jahren beträgt die Malariasterblichkeit mehr als eine Million und wächst in Epidemiejahren noch weit darüber hinaus). Dort tritt die Krankheit in den einzelnen Landesteilen und Bevölkerungsschichten mit verschiedener Heftigkeit und Ausdehnung auf, wobei — nach vielfachen Beobachtungen .— nicht die Unterschiede in der Zahl der Moskiten und der Ausdehnung der Brutplätze so 14) Laveran, Traitee du Paludisme, p. 36. 15) Ein italienisches Sprichwort heißt: „Das Heilmittel 'gegen Malaria liegt im Kochtopf." Völkerbund, General Report, p. 34.

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