Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1930)
- Article
- Die Bekämpfung der Malaria, unter besonderer Berücksichtigung Palästinas
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 363 (sequence 5)
- Language
- German
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dem, gegen welehen der drei erwähnten Faktoren — Plasmodium, Anophelesj Wasser als Brutstätte - sie gerichtet sind; 2. ob die Bekämpfung direkt auf die Vernichtung jener Faktoren ausgeht oder indirekt ihre Wirkung zu verhüten sucht. Die folgende Zusammenstellung gibt eine summarische Uebersicht über die verschiedenen Arten der Bekämpfung. A. Direkte Bekämpfung. I. Tötung der Plasmodien im Kranken. II. Tötung der Anophelesmücken im Hause. B. Indirekte Bekämpfung. I. Einmalige Maßnahmen zur Beseitigung und Verhütung von Brutstellen: Hydraulische Bonifikation. IL Ständige Maßnahmen: a) Beseitigung und Verhütung von Brutstätten; b) Tötung der Anopheleslarven; c) Abhaltung der Moskiten vom Menschen und vom Hause. III. Allgemeine Bonifikation. Unter den Methoden der direkten Bekämpfung steht an erster Stelle die rechtzeitige Behasnjdlung des Kranken während des Malariaanfalles, welche die Vernichtung der Plasmodien in seinem Blut zum Ziel hat. Als das weitaus wirksamste Mittel hiezu hat sich in den meisten Fällen der Gebrauch von Chininpräparaten erwiesen. Auch Salvarsan wird oft mit Erfolg benützt, die Anwendung von Plasmochin befindet sich noch im Versuchsstadium. Der sicherste Weg ist die Unterbringung der Malariakranken im Hospital. Wo sie, wie es meist der Fall sein wird, durch häusliche Behandlung ersetzt werden muß, soll der Kranke jedesfalls auch genügend lange im Bett gehalten, gut genährt unid gegen Zutritt der Anopheles; geschützt werden. Durch letztere Maßnahme erhält die Behandlung zugleich einen hohen prophylaktischen Wert. Dieser Bekämpfungsmethode ist die jüdische Bevölkerung in Palästina leicht zugänglich, da sie im allgemeinen dazu neigt, rasch ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Trotzdem wird ihre Wirksamkeit durch mehrere Umstände stark eingeschränkt: a) Hospitalbehandlung kann in Epidemiezeiten aus Bettenmangel nur einem kleinen Prozentsatz der Kranken zuteil werden. b) Die „häusliche" Behandlung ist, bei den meist sehr primitiven Wohnverhältnissen auf dem Lajnd, in (der Regel viel weniger wirksam und entbehrt auch meist des prophylaktischen Schutzes. c) Die arabische Bevölkerung der Nachbarschaft wird, teils aus Gleichgiltigkeit, teils aus mangelnder Fürsorge6) nur selten behandelt und bietet eine dauernde Infektionsgefahr. Chinin wird auch prophylaktisch verwendet. Wenn es während der ganzen Dauer einer Epidemieperiode systematisch genommen wird, kann es oft das Erscheinen von Infektionssymptomen verhindern. Eine allgemeine Anwendung der Chininprophylaxe für alle Bewohner einer malariagefährdeten Gegend verbietet sich aus finanziellen und anderen Gründen. 6) Bis 1924 wurde von der Regierung in arabischen Dörfern kostenlos Chinin verteilt, jedoch wurde diese Fürsorge aus Sparsamkeitsrücksichten seither eingestellt.